Dauerhaft verfugtes Straßenpflaster


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Einleitung

Auswahl der Bauweise

Auswahl einer ungebundenen oder gebundenen Bauweise

Aktuell steht in Deutschland das Für und Wider einer Verfugung von Pflasterflächen mit Mörtel wieder zur Diskussion. Neben sehr positiven Erfahrungen gibt es auch negative. Im kollegialen Gespräch des Tiefbaus unerwähnt und im Bewusstsein kaum verhaftet bleiben all jene insbesondere mit zementgebundenem Fugenmörtel verarbeiteten Flächen, die nun teilweise schon jahrzehntelang ohne Beanstandungen ihren Dienst verrichten und deshalb unauffällig geblieben sind. So zeigt sich eine unzulässige Verallgemeinerung, gebundene Verfugungen nur aufgrund der Tatsache, dass Schäden vorgekommen sind, fälschlich und gegen den Trend in Städtebau und Denkmalschutz zu einer Sonderbauweise zu erklären. Ob diese Klassifizierung einer schon in der Antike praktizierten Bauweise auch juristisch haltbar ist, wird sich wohl in der Zukunft zeigen müssen.

Ebenso gibt es heute viele sandverfugte Flächen sogar schon aus der Zeit Napoleons, die zum Teil u. a. in den Neuen Bundesländern bis in unsere Tage Bestand hatten und haben. Die vielen bekannten Schäden in ungebunden gestalteten Pflasterflächen aus Klinkern, Beton-, und Natursteinen, die neben anderen Möglichkeiten, z. B. aufgrund nicht eingehaltener Filterstabilität oder der Pumpwirkung von Reifen entstanden, müssten demnach analog zur gebundenen Bauweise ebenfalls dazu führen, auch diese Art der Pflasterung nun generell nicht mehr als Regelbauweise zuzulassen. Solch eine hier provozierend aufgestellte Forderung ist selbstverständlich ebenso unsinnig, wie die oben angeführte unzulässige Verallgemeinerung.

Vermerke, welche die Verfugung von Pflasterflächen mit geeignetem Fugenmörtel als sich nicht bewährt habend beschrieben, verschweigen, dass die lange Zeit gültigen Regeln der Bautechnik selber den Fugenbruch per Bauregel viel zu oft vorgaben. Sehr viele Schäden in gebunden verfugten Pflasterflächen sind nämlich auf unglückliche und unvollständige Ausführungen zur Schichtdicke der Decke, zur Materialqualität der Fugen- und Bettungsmörtel in der DIN 18318, Ausgabe 1992 und früher, sowie auf darauf aufbauenden Regelwerksteilen zurückzuführen. Daneben wurden auch Schäden durch unzureichend bemessene Dicken von Tragschichten lt. den RStO 86/89 begünstigt, ebenso durch der Statik einer gebunden ausgeführten Pflasterdecke nicht genügende Mindest-Steindicken. Gerade die Statik wurde m. E. für die dynamischen Belastungen der gebundenen Bauweise im Pflasterbau nicht im erforderlichen Umfang berechnet. So wird der Sachverhalt zur Bewährung der gebundenen Bauweise von Pflasterflächen wohl treffender wie folgt beschrieben:


"Die früher gültigen Regeln der Bautechnik für die gebundene Bauweise von Pflasterflächen waren unzureichend und führten deshalb in vielen Fällen zu Pflasterschäden!"


Es kommt nun also im Pflasterbau darauf an, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, um die situationsbedingt jeweils bestgeeignete Bauweise zu finden und sie, abgestimmt auf die zu erwartenden Verkehrsbelastungen, in Materialauswahl und Gestaltung aufgrund der inzwischen vorliegenden erweiterten Erkenntnisse optimal zu planen und auszuführen.

Pflasterflächen mit Sandfugen unter leichter bis mäßiger Verkehrsbelastung (Gehwege sowie Fahrbahnen der Bauklasse VI bis V) und ohne Reinigung durch Spülfahrzeuge und/oder Kehrsaugmaschinen sowie mit im Bedarfsfall rechtzeitig ausgelöster Nachverfugung, können sich problemlos über viele Jahrzehnte bewähren.

Reinigungs- und Regeneinwirkungen sowie erhöhten Verkehrsbelastungen werden jedoch wesentlich besser Flächen in gebundener Bauweise standhalten, weil sie eine Belagplatte bilden, bestehend aus der kraftschlüssigen Verbindung von Bettung, Belagsmaterial und Fugenmörtel.

Denn das wesentliche Kriterium für die Beurteilung einer Verfugung ist ihre Fähigkeit, den Pflasterbelag dauerhaft am vorgesehenen Platz zu halten und dazu beizutragen, auftretende Lasten flächig abzutragen. Dabei ist der über eine Belagplatte wesentlich großflächigere Lastabtrag sicher ein wesentliches Kriterium für die Dauerhaftigkeit der in gebundener Bauweise hergestellten Pflasterflächen.

Ungebunden erstellte Pflasterflächen ziehen viele Bauherren und Planer aus ästhetischen Gründen vor. Daneben sind sie kostengünstiger als in gebundener Bauweise herzustellen. Diese Argumente verleiten bei der Planung schnell dazu, die Vermörtelung der Fugen von Beginn an gar nicht erst in Betracht zu ziehen. Aber es sind auch die Folgekosten zu berücksichtigen:

Ein gebundener Aufbau wird gegenüber einem ungebundenen oft sogar zu eindeutig belegbaren Kostenersparnissen führen, wenn die Folgekosten von Nachverfugungen, Leistungen des Straßenunterhalts, an erhöhten Personalkosten für Reinigungsaufwand und erhöhtem Sondermüllaufkommen durch Fugensand in den Kläranlagen, im tatsächlich anfallenden vollen Umfang berechnet werden. Außerdem errechnen Sie einmal die Kosten einer nur deshalb neu zu erstellenden Pflasterung, weil an der technisch erforderlichen Bauweise gespart wurde. Sie stehen in keinem Verhältnis zu den scheinbaren Einsparungen der ungebundenen zur gebundenen Bauweise!

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, Pflasterflächen nicht mit Sandfugen, sondern mit einer Mörtelverfugung auszuführen, wie die folgenden Seiten zeigen. Dabei stehen grundsätzlich nur 3 im Vordergrund:

1. Erhöhter Widerstand gegen besondere mechanische Belastungen von Straßenpflaster

2. Hohe Ansprüche an die Sauberkeit und gute Begehbarkeit der Pflasterflächen

3. Dauerhaftigkeit der Fugen, auch bei starkem oder lange anhaltendem Regen und gegen fließendes Wasser


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