Dauerhaft verfugtes Straßenpflaster


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Steinformate

Pflaster


Die Mindestschichtdicken von Betondecken sind lt. Tafel 2 der RStO 01 Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, von der aus Bettungmörtel, Pflasterstein und Fugenmörtel bestehenden Belagplatte einzuhalten. Dabei ist die Schichtdicke des Bettungsmörtels über die Auswahl des Steinformats möglichst gering zu halten.

Für von Schwerverkehr (ab 3,5 to) befahrenen Verkehrsflächen ist, wie im Kapitel Tragschicht > Planung Tragschicht beschrieben, die Bauklasse III vorzusehen. Dafür sind vorrangig Pflastersteine der Nenndicke 16 cm zu verwenden, um der Mindestschichtdicke der Belagplatte analog zur Betondecke von 22 cm in Tafel 2, Zeile 2, der RStO 01 zu genügen.

Nur selten befahrene Flächen, die der Bauklasse VI oder höchstens V zugeordnet werden, wie beispielsweise normal nicht befahrene schmale Rinnen - ausgenommen sind stark befahrene Grundstückseinfahrten zu Gewerbegrundstücken oder sonstige Querungen üblichen Fahrverkehrs wie auch als Ausweichflächen vorgesehene Rinnen - können deren Mindestschichtdicke von 16 cm lt. Zeile 2 der Tafel 2 der RStO 01 aufweisen.

Dieses gilt sinngemäß auch für ausschließlich von Pkws selten befahrene private Hofflächen. Das Nennformat der Pflastersteine ist dafür nicht unter 10 cm, besser ab 12 cm, auszuwählen. Es ist in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Befahrung durch Schwerverkehr auszuschließen, wie z. B. durch Entsorgungs- und Versorgungsfahrzeuge (z. B. Heizöl).

Kleinformatiges Pflaster der Nenngröße 8 cm und kleiner nur für rein fußläufige Bereiche geeignet.

Begründung:

Die RStO 01 weisen in Tafel 3 für befahrene ungebundene Pflasterdecken in der Bauklasse III eine Dicke der Beläge von nunmehr mindestens 10 cm aus, für alle anderen Bauklassen weiterhin 8 cm. Diese Richtlinien legen in ihren Tabellen immer Mindestdicken fest, keine Nennmaße (vergl. RStO 01, Abschnitt 3.2).

Laut Tafel 2 in den RSTO 01 braucht eine Betondecke in Bauklasse III mindestens 22 cm Dicke, um keinen Schaden zu nehmen. Aber die Mindestschichtdicke beträgt laut Tafel 3 nur 10 cm bei der Verlegung von z. B. Betonsteinen. Rechnet man 3 cm Mindestschichtdicke für die Bettung hinzu, ergeben sich 13 cm Gesamtschichtdicke für die Belagplatte. Damit ist diese gerade einmal 1 cm stärker gestaltet, als die für Rad- und Gehwege in Tafel 7 der RStO 01 vorgegebene Betondecke.

Die RStO 01 erklären für Rad- und Gehwege in Abschnitt 5.2.1 Bauweise und Schichtdicken ausdrücklich:

"Die Bauweisen und Schichtdicken sind so gewählt, dass diese Flächen von Fahrzeugen des Unterhaltungsdienstes befahren werden können. Eine auch nur gelegentliche Nutzung durch andere Kraftfahrzeuge ist nicht berücksichtigt."

Ab Bauklasse IV erzielt man lt. Mindestschichtdicken der RStO 01, Tafel 3, beispielsweise für verlegte Betonsteine nur noch 11 cm Schichthöhe der Belagplatte (8 cm Mindeststeinhöhe + 3 cm Bettung), also 1 cm weniger, als für Rad- und Gehwege im Minimum vorgegeben! - Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend ein erfahrener Straßenbauingenieur eine Betondecke von nur 11 Schichtdicke ernsthaft für die dauerhafte Befahrung mit Schwerverkehr in Bauklasse IV vorschlagen würde. -

Die RStO 01 führen in Abschnitt 3.3.5 aus:

"Die Anforderungen an Pflasterdecken sind in den ZTV P-StB enthalten:"


Dort wird in Abschnitt 1.4.3 Dicke der Schichten ausgeführt:

"Für die Wahl der Dicke und Anordnung der Schichten sind die RStO maßgebend.

Bei Verkehrsflächen mit hohen Horizontalbeanspruchungen, wie z. B. an Steigungsstrecken, Verzögerungs- oder Beschleunigungsstrecken sowie Rangierverkehr, ist zusätzlich abzuwägen, ob durch die Verwendung von Steinen mit größerer Dicke die Stabilität der Pflasterdecke erhöht werden kann.

Pflastersteine aus Naturstein mit Nenndicken bis 60 mm (z. B. Mosaikpflastersteine) oder entsprechende Steine aus Beton, Ziegel oder Klinker sind für Verkehrsflächen, die mit Kraftfahrzeugen befahren werden, ungeeignet.

Pflastersteine aus Naturstein mit Nenndicken über 60 mm bis unter 120 mm sind für Verkehrsflächen mit Verkehrsbelastungen der Bauklassen V und VI der RStO geeignet. Für Verkehrsflächen der Bauklassen III und IV sind besondere Maßnahmen (z. B. zweckmäßiger Verband) vorzusehen.

Pflastersteine aus Naturstein mit Nenndicken ab 120 mm sind auch für Verkehrsflächen mit Verkehrsbelastungen der Bauklassen III und IV der RStO geeignet."


Hier wird zumindest erwähnt, dass Pflasterflächen mit hohen horizontalen Beanspruchungen über die Steindicke an Stabilität gewinnen (nicht beachtet werden die MINDESTschichtdicken der RStO auch im Zusammenhang zulässiger Toleranzen!) Dahinter steht für die ungebundene Bauweise die Überlegung, dass eine Vergrößerung der Steindicke die horizontale Kraftübertragung verbessert, weil eine größere (Reibungs-) Fläche gewonnen und die unter Last zu erwartende Kippbewegung der einzelnen Steine verringert wird, zumindest wenn die Fugen ausreichend eng ausgebildet werden.

Der Ausschluss von Mosaikpflaster für befahrene Flächen ist nicht zu bemängeln und muss besonders auch in Gehwegüberfahrten berücksichtigt werden.

Die daran anschließenden Formulierungen sollten sehr genau gelesen werden. Denn Steine aus Beton, Ziegel oder Klinker werden nur im Zusammenhang mit Nenndicken bis 60 mm erwähnt, danach nur noch Natursteine. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Unterscheidung seitens des formulierenden Ausschusses gewollt ist. -

Weiter heißt es in den ZTV Pflaster-StB 06, Abschnitt 1.4.5, u. a.:

"Wenn Verkehrsbelastungen der Bauklassen III oder IV der RStO zu erwarten sind, sind Pflastersteinformen und/oder Verbände vorzusehen, welche durch möglichst große Flächenwirkung Lastübertragung in vertikaler Richtung gewährleisten.

Bei Verkehrsflächen mit hohen Horizontalbeanspruchungen, wie z. B. an Steigungsstrecken, Verzögerungs- oder Beschleunigungsstrecken sowie im Rangierverkehr, sind Verbundpflastersteine und/oder Verbände, welche einen hohen Widerstand gegen Verdrehungen (Verkippung) in Fahrtrichtung gewährleisten (z. B. Fischgrätverband), zu bevorzugen."


Diesen Anforderungen können nur Großpflastersteine mit ihren besonders großen Seitenflächen genügen. Letztgenannte steigen auch mit der Steindicke. Bei der Verfugung mit einem ausreichend druckfesten Fugenmörtel wird aufgrund des kraftschlüssigen Verbundes der Steine den hohen Horizontalbeanspruchungen und der Vorbeugung gegen Verdrehungen und Verkippungen naturgemäß noch besser genügt, als bei einer flexiblen ungebundenen Verfugung. Dieses gilt ebenso für die vertikale Belastung, weil diese aus gleichem Grund und bei Verwendung eines geeignet druckfesten Bettungsmörtels nicht mehr nur über die bei Großpflaster naturgemäß größere Fläche des jeweiligen Steinfußes (wichtiges Detail im Hinblick auf das Beton und Mörtel eigene Kriechvermögen!), sondern auch von der wesentlich größeren Fläche der Belagplatte insgesamt auf die folgende Tragschicht abgetragen wird. Also laufen auch die Ausführungen in den vorerwähnten Regelwerksteilen darauf hinaus, in Fahrbahnen Großpflaster und kein Kleinpflaster einzusetzen.

Der Ausschluss von Mosaikpflaster für befahrene Flächen ist demnach auch unter diesem Gesichtspunkt sachgerecht.

Für die weiteren Formate ist zu beachten: Die ZTV Pflaster-StB 06 geben erstmalig nicht eindeutige Mindestmaße vor, sondern Nennmaße. Die Richtlinien beziehen sich ausdrücklich auf die DIN EN 1342 Pflastersteine aus Naturstein für Außenbereiche und dort ist eine Abweichung vom Nennmaß nach Klasse T2 von
15 mm zwischen 2 gespaltenen Flächen zugelassen,
10 mm zwischen bearbeiteten und gespaltenen Flächen und
5 mm zwischen bearbeiteten Flächen.

Klasse T1 erlaubt sogar generell 30 mm Abmaßtoleranz. Wegen des deshalb möglichen zu hohen Anteils an lockerem Bettungsmörtel, der die Gesamtstabilität und Frostsicherheit der Belagplatte wegen eventuell zu geringer Verdichtung unter den Hammerschlägen schwächt ( siehe Unterkapitel Anforderungen an Bettungsmörtel), ist diese Klasse für den gebundenen Pflasterbau ungeeignet.

Wenn der Unterschied zwischen Nenndicke und Mindestdicke nicht beachtet wird, könnte sich für Planungsingenieure und Pflasterbetriebe (hier im Falle unterlassener Anmeldung von Bedenken) in einem Prozess eine böse Falle ergeben: Die ZTV Pflaster-StB 06 widersprechen mit ihren Formulierungen den eindeutigen Vorgaben für die Mindeststeindicken der RStO 01 (vergl. RStO 01, Abschnitt 3.2). - Die RStO 01 sind juristisch betrachtet aber stets allen anderen Richtlinien und Merkblättern übergeordnet. Diese letztgenannten Bauregeln dürfen deshalb keine technisch ungünstigeren Werte als die RSTO ausweisen! - Alle in den ZTV Pflaster-StB 06 aufgeführten und für die RStO 01 relevanten Nennmaße für die Steindicken sind also zumindest für Natursteine gedanklich um die aufgrund der jeweils gewählten Toleranzklasse erlaubte Abweichung zu erhöhen und danach auf das handelsübliche Nennmaß aufzurunden, um in Planung und Einkauf den Mindestanforderungen der RStO 01 zu entsprechen! Besonders deutlich wird dieses bei der Wahl des Nennmaßes 8 cm in der Qualität T2, rundum gespalten:

Es verbleibt nach Abzug der zulässigen Abmaßtoleranz von 15 mm eine Reststeindicke von ganzen 6,5 cm, welche einem Mosaikstein des Nennmaßes 6/6/6 innerhalb dessen Toleranzbereichs entspricht! Mosaiksteine sind aber für befahrbare Flächen ausdrücklich nicht zugelassen! - Was passiert wohl, wenn ein findiger Rechtsanwalt innerhalb einer geschädigten Kleinpflasterfläche solch einen untermaßigen Stein entdeckt? -

Für allseits gespaltenen Naturstein in befahrenen Flächen ist das in den ZTV Pflaster-StB 06 genannte Nennmaß von über 6 cm also wegen der von den RStO 01 geforderten Mindeststeindicke von 8 cm stets auf das handelsübliche Maß 10/10/10 aufzurunden, in Bauklasse III sogar von 10 cm auf 12/12/12. Diese Abmessung ist dort demnach für die hier nicht weiter zu behandelnde ungebundene Bauweise zulässig.

Ich schließe sie aber für die gebundene Bauweise aus, weil damit die lt. Tafel 2 der RSTO 01 erforderliche Mindestschichtdicke der Bauklasse III im Sinne der bereits genannten "Betondecke mit Pflastersteinvorsatz" nicht erreicht wird. Außerdem ist der oben bereits zitierte Abschnitt 1.4.3 der ZTV Pflaster-StB 06 zu beachten, der für Natursteine in den Bauklassen III und IV das Nennmaß 120 mm als Minimum vorgibt! Folglich sind dort mindestens 140 mm bei Berücksichtigung der zulässigen Abmaßtoleranzen für Natursteine zu planen und zu verbauen. Allerdings wird in diesem Fall gegen die Forderung verstoßen, bei der Belastung mit Schwerverkehr für die gebundene Bauweise grundsätzlich die Bauklasse III vorzusehen. Diese erfordert aber lt. Zeile 2, Tafel 2 der RStO 01 eine Mindestdicke von 22 cm der aus Bettung, Pflastersteinen und Fugenmörtel gebildeten Belagplatte analog zu einer Betondecke auf gleichartigem Aufbau der Tragschicht(en). Diese Dicke kann jedoch nur mit Steinen der Nenndicke 16 cm erreicht werden, sofern die in DIN 18318 Pflasterdecken und Plattenbeläge in ungebundener Ausführung, Einfassungen, Ausgabe 2006, Abschnitt 3.6.1, festgelegte maximale Schichtdicke der Bettung von 6 cm für Steine ab Nenngröße 120 mm nicht überschritten werden soll.



[Weiter]



[Diese Seite drucken]


.

Suche

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü