Dauerhaft verfugtes Straßenpflaster


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Unnötige Angaben, Gefahren

Verfugung


Unnötige oder gar verwirrende Begriffe, aber auch die Dauerhaftigkeit gefährdende Materialien sollten in Leistungsverzeichnissen vermieden werden. Einige Beispiele finden Sie in diesem Kapitel.

Begründung:

Deutsche Bürokratie neigt dazu, sogar Selbstverständlichkeiten in Messwerten auszudrücken und diese in oft komplizierten und teuren Messreihen sich auch nachweisen zu lassen. Wir sollten nicht nur über unnötige Gesetzgebung der Politiker schimpfen, sondern als Planungsingenieure selbst ein Vorbild geben! Dieses gilt besonders, wenn der Nutzeffekt jener Messwerte lediglich akademisch ist, weil er in der Praxis keinen einzigen verhinderten Schaden erbringt. Sinngemäß sollten auch unnötige oder gar verwirrende Begriffe, aber auch die Dauerhaftigkeit gefährdende Materialien in Leistungsverzeichnissen vermieden werden. Dazu einige Beispiele:

1. Haftzug, Biegezug

Zu den absolut unnötigen Meßwert-Vorgaben in Leistungsverzeichnissen zähle ich in unserer Branche z. B. auch den Haftzug oder gar Biegezug. Beide weisen einen für Beton und zementgebundenen Mörtel naturgemäß sehr niedrigen Wert auf, wie allgemein bekannt. Sie sind aber als Vorgabe für Fugenmörtel letztlich irrelevant, weil sie aufgrund direkter Abhängigkeit zu den hier zu fordernden hohen Mindestdruckfestigkeiten naturgemäß außerhalb denkbarer schädlicher Werte liegen.

Zudem ist die tatsächliche Haftung eines Fugenmörtels von der Beschaffenheit der Oberflächen der vielen verschiedenen Steinsorten und der jeweiligen Oberflächenbearbeitung abhängig (schlechte Haftung auf glatter Oberläche, gute auf rauher) und gibt deshalb keinen für die Praxis direkt verwertbaren Hinweis. Standardisierte Messmethoden könnten im Einzelfall aufgrund von in der Praxis nicht erreichbaren Werten auf einen Planungsingenieur sogar irreführend wirken.

Für den Biegezug von Fugenmörtel ist in diesem Zusammenhang eine ganz andere Frage entscheidend: Wenn der Haftzug naturgemäß irgendwo zwischen 1 bis 2 N/qmm liegt, wie kann dann (im Gegensatz zu frei tragenden Teilen in Hochbauten) in einer von der Tragschicht gestützten Pflasterfläche ein Biegezug mit einem darüber liegenden Wert z. B. ab 5 N/qmm in einer Fuge überhaupt entstehen, wenn die vertikale Last von den Steinen aufgenommen wird? Denn der unterhalb der Steinoberfläche ansetzende Fugenmörtel stellt eine kraftschlüssige Verbindung zwischen den Steinen her und zwar horizontal. Wenn nun aufgrund Überlastung der Fugenmörtel durch Zugkräfte vom Stein abreißt, wäre bei einer eventuell zu starken Biegung der Fläche wegen der naturgegeben niedrigen Haftzugfestigkeit davon auszugehen, dass der Fugenschaden bereits eingetreten ist, ehe die für eine Überschreitung des Biegezugs erforderliche Krafteinwirkung überhaupt gegeben ist. Die in jedem Fall deutlich höher mögliche Biegebelastung des Mörtels kann dann ergo gar nichts mehr bewirken! - Hier zeigt sich wieder einmal, dass die Stützwirkung der Tragschicht bei hoher Druckfestigkeit, aber auch die Druckfestigkeit des Bettungsmörtels, die Stabilität der Pflasterfläche entscheidend beeinflusst.

Für großflächige Bettungsmörtel- und Betontragschichten ist der Biegezug ein für den Fachmann interessanter Wert - sofern er weiß, welche Kräfte dort einwirken und welcher Widerstand durch die Tragschichten gegeben ist. Aufgrund welcher Messungen zu den an Pflastersteinen wirkenden Zugkräften wurden die bislang diskutierten Mindestwerte speziell für den gebundenen Pflasterbau aber überhaupt festgelegt? - Im Pflasterbau gab es doch offenbar lange Zeit nicht einmal Berechnungen zu den Kräften, die aufgrund gegebener Verkehrsbelastung auf die beteiligten Mörtel in Abhängigkeit von den Steinformaten (Verhältnis Gesamtkraft zu Gegenkraft in den abtragenden Flächen) wirken! Und die Tragschichten wurden anscheinend zumindest lange Zeit ebenfalls nicht berechnet, sondern aufgrund von Erfahrungswerten erstellt. Auf welcher Vergleichsbasis sollen dann aber günstige oder ungünstige Haftzug- oder gar Biegezugwerte in Abhängigkeit solcher Belastungen gemessen worden sein?

Es ist anscheinend doch wohl eher so, dass Werte aus anderen Regelwerken einfach nur übernommen wurden, diese aber auf Festigkeitswerten basieren, welche naturgemäß von ohnehin bereits genormten Zementsorten abhängig sind. Doch die sind im Verhältnis nur geringfügig und damit für den Tiefbau irrelevant veränderbar!

Ergebnis: Die Angabe eines x-beliebigen Wertes für Haftzug oder gar Biegezug kann gar nicht dazu beitragen, einen Pflasterschaden zu verhindern, weil der Meßwert naturgemäß nur innerhalb sehr enger und hier irrelevanter Grenzen veränderbar ist und nur in Abhängigkeit von den überhaupt zu erwartenden, aber bislang unzureichend berechneten Zugkräften in den vielfach inhomogenen Pflasterflächen zu beurteilen ist.

Dennoch ist eine ausreichende Haftung für Fugenmörtel erforderlich, damit kein Wasser zwischen Fugenmörtel und Steinflanke in die Belagplatte eindringen und so zu Frostschäden führen kann. Auch die Haftung zur Gewährleistung des Verbundes zwischen Tragschicht, Bettung und Steinen/Fugenmörtel ist nicht nur aus gleichem Grund geboten, sondern theoretisch auch, um ein eigenständiges und somit schadenträchtiges Schwingen des Belages auf und über der Tragschicht zu verhindern. Doch dafür ist kein besonderer Haftzugwert erforderlich; denn das Bindemittel Zement erbringt seine Haftung aufgrund der Mörtelqualität naturgegeben - je besser, desto mehr - (zumindest in den Druckfestigkeitsklassen, die hier angesprochen werden).

Daneben sind die nach unten sinkenden Festigkeitswerte der unterschiedlichen Schichten zu beachten: Wenn die Tragschicht (z. B. eine DBT) aber einen geringeren Wert aufweist, kommt der Abriß bei entsprechender Einwirkung dort zustande, ein hoher Haftzugwert der Bettung erbringt dann absolut nichts. -

Wir sollten nie die Relationen aus den Augen verlieren: Entscheidend ist die Druckfestigkeit des Mörtels. Denn die Kräfte, die vom Verkehr auf die Mörtel übertragen werden, belaufen sich auf ein zigfaches der möglichen Zugbelastung innerhalb einer Pflasterfläche! Wenn ein Fugenmörtel an der Stirnfläche wegen unzureichender realer Druckfestigkeit von z. B. deutlich unter 37 N/qmm nachgibt, fallen beispielsweise 5 Zehntel Haftzugfestigkeit mehr oder weniger nach der 1 an der entgegengesetzten Seitenfläche des betreffenden Steins doch überhaupt nicht ins Gewicht!

Gleichartiges gilt zum Haftzug der Bettung auf der Tragschicht. Hier überschreitet eine im Mittel um nur 1 mm höhere Belagplatte (was aufgrund der zulässigen Toleranzen nicht einmal auffallen würde) schon aufgrund ihrer Gewichtserhöhung den insgesamt nur möglichen Haftzugwert. Ein um zwei Zentimeter höherer Stein (z. B. 16 statt 14 cm) in der Belagplatte bringt allein aufgrund seines Gewichts eine mehr als 40fach größere Kraft auf die Tragschicht, als ein Haftzugwert von insgesamt nur 2 N/qmm, statt üblicher rund 1,5 N/qmm! Also trägt auch hier die Dicke der Belagplatte zur Verbesserung der Stabilität und Dauerhaftigkeit der Pflasterfläche entscheidend bei.

2. Elastitätsmodul

Der Ausweis eines besonders niedrigen Elastizitätsmoduls (die unter Belastung entstandene Verformung, die bei Entlastung vollständig zurückgeht) für Werk-Fugenmörtel kann Schäden wegen seiner irreführenden Argumentation wohl eher fördern als verhindern:

Es wird dabei nämlich unterstellt, dass thermisch bedingte wechselnde Längenänderungen zwischen manchmal kleiner minus 20 Grad C bis hin zu größer plus 35 Grad C Lufttemperatur von z. B. 160 mm Gesteinlänge durch zusätzlich nur 15 mm Fugenmörtelbreite, also von ganzen 8,57 % der Gesamtstrecke, praktisch wie von einem Gummiband ausgeglichen werden! Bei genauem Hinhören stellt sich heraus, dass diese Behauptung vorrangig im Hinblick auf Zugbelastung aufgestellt wird, weil nämlich Rissbildung verhindert werden soll (Überlastung durch Druck bewirkt umgekehrt kleinstteilige Zertrümmerung des Mörtels, sogenannte Trümmerbrüche). Handelt es sich um 22 cm lange Steine (= Format 16/16-22/16) sind es gerade einmal 6,38 % Anteil Fugenmörtel an der Gesamtlänge!

Von diesen 8,57 bis 6,38 Hundertstel nun noch einmal ein sehr niedriger Prozentsatz gerechnet, ergibt das als angeblich stabilitätsbewahrend angepriesene elastische Verhalten! Vergleicht man den dabei zu erzielenden Maximalwert mit der möglichen Gesamtverformung des Mörtels, die aus den zusätzlichen Werten für Schwinden oder Quellen, Kriechen und temperaturbedingte Längenänderung des Mörtels und im Pflaster zusätzlich aus der Längenänderung der Steine besteht, erbringen diese Vielfache (!) zum in der engen Fuge wirkenden Elastizitätsmodul:

Zusätzlich wäre in diesem Zusammenhang das sogenannte "Wachsen" der Natursteine ( s. Kapitel Dehnungsfugen > Wichtiger Hinweis) bei Abkühlung nach Erwärmung zu berücksichtigen, wodurch aufgrund des geringen Materialanteils an Fugenmörtel im Verhältnis zum Pflasterstein ein Großteil der Wirkung des Elastizitätsmoduls ohnehin bereits kompensiert wird. Allein das Kriechvermögen des Mörtels liegt bei hohen Temperaturdifferenzen in der Wirkung bei weitem höher als die der allgemeinen elastischen Verformbarkeit. Legt man großformatige Platten als Belag zugrunde, zeigt sich die Unsinnigkeit der angeblichen Stabilitätsförderung aufgrund des noch ungünstigeren Verhältnisses von Steinen und Fugenmaterial in der Gesamtstrecke noch deutlicher. Der E-Modul-Wert ist für große Stützkonstruktionen im Hochbau interessant; ihn für Fugenmörtel als wichtigen Wert überhaupt nur zu erwähnen, darf nun laut vorstehenden Erläuterungen eigentlich nur noch ein Schmunzeln erzeugen. Außerdem:

In einer Betonsteinfläche weisen Stein und Mörtel die am weitesten übereinstimmenden Materialeigenschaften auf. Es wäre dann doch naheliegend, eher die Betonsteine, welche den Löwenanteil der Masse im Verhältnis zum Fugenmörtel liefern, elastisch oder zumindest mit dem entsprechenden Elastizitätsmodul auszuführen. Doch seit Jahrzehnten tauchen immer wieder Wünsche nach einem gleichzeitig (!) elastischen und formstabil tragfesten Beton auf, gerade im Hochbau mit seinen vielfältigen Problemen bezüglich thermisch bedingter Längenänderungen. Ein Hersteller, der dort einen sowohl formstabil tragfesten als gleichzeitig auch elastischen Beton anbieten könnte, hätte einen weit höheren Gewinn versprechenden Absatzmarkt als den für Pflasterfugenmörtel. Was sich im Hochbau seit Jahrzehnten schon aufgrund der Formulierung der Anforderungen in sich widersprach und deshalb nie gelang, kann auch im Pflasterbau nicht funktionieren! Und wenn Fugen unter thermisch bedingtem Druck nachgeben, geben sie auch unter dem Druck z. B. eines bremsenden beladenen Lkws nach, was ein Ausbrechen des Steines aus dem Bettungsmörtel provoziert, wie nicht selten an Dehnungsfugen zu beobachten. Durch elastischen Fugenmörtel würde zudem die Spurrinnenbildung im Belag gefördert. Elastisches Verhalten eines Fugenmörtels schließt also seine Verwendung im gebundenen Pflasterbau aus und sollte deshalb auf keinen Fall Eingang in Planungen der Belagplatte finden!

Andere sprachen von einem elastifizierten Fugenmörtel. Doch die Unsinnigkeit solch einer Aussage wurde vorstehend bereits dargelegt. Wer aber noch immer meint, haltbare Flächen ohne Dehnungsfugen seien nur auf ein geheimnisvolles Zusatzmittel im Mörtel zurückzuführen, der übersieht, dass der gleiche Effekt auch bei anderen zementgebundenen Fugenmörteln nachweisbar ist: Es gibt zum Beispiel seit Ende 1989 eine mehrere 1000 qm große Natursteinfläche, ohne jede Dehnungsfuge, aber weiterhin ohne wilde Dehnungsrisse! Zudem wurde zwecks Sanierung eine große Anzahl von Pflasterflächen aus Naturstein seit vielen Jahren ohne Dehnungsfugen innerhalb der Flächen und ohne laut verkündeter Meinung zu erwartenden temperaturbedingten Schäden nachverfugt!

3. Schwindmaß

Moderne Betontechnologie kompensiert das Schwinden von Fugenmörteln, welches durch das Verdunsten von Wasser im amorphen Zustand besonders ausgeprägt ist, durch entsprechende Zusätze. Außerdem bewegen sich Fugenbreiten in Pflasterflächen im Millimeterbereich. Entsprechend minimal sind die sich aus dem Schwinden ergebenden Volumenverluste, sofern der Hersteller den Wasserbedarf seines Mörtels im Griff hat. Dieses Kriterium ist oft sogar für den Nichtfachmann anhand von Überschusswasser auf den Fugen kurz nach dem Einschlämmen sichtbar und/oder zeigt sich als Materialverlust in der Fugenhöhe über die gesamte frisch verfugte Fläche wenige Minuten nach dem Einschlämmen (sofern nicht stellenweise durch inzwischen verdrängte Lufteinschlüsse beim Ausgießen und anschließender Selbstverdichtung des Mörtels verursacht). Ein viel zu hoher Wasseranteil im Mörtel zeigt sich daneben in verminderter Druckfestigkeit. Diese ist aber als zentraler Messwert vom Planungsingenieur in Abstimmung mit einer verkürzten Zeit bis zur Verkehrsfreigabe festzulegen und bautechnisch einzuhalten. Nach Erstarrung übersteigt das natürliche Kriechvermögen des Materials die Volumenverluste durch Schwinden um ein Vielfaches. Ansonsten wären keine Betonbauten möglich. Das Schwindmaß ist demnach als statisch relevante Messgröße für den Hochbau interessant, im Pflasterbau aufgrund des im Verhältnis geringen Anteils Fugenmörtels an der Gesamtfläche aber letztlich nichtssagend.

4. Frostwiderstand, Frost-Tausalz-Widerstand


Die gesonderte Messung des Frostwiderstandes eines Betons oder Mörtels speziell für den Pflasterbau ist seit Gültigkeit der DIN EN 206-1 ebenfalls unsinnig: Mit der Einführung der Expositionsklasse XF ist der auf der Dichte eines Materials beruhende Frostwiderstand über die Druckfestigkeitsklasse ab Beton C 25/30 bereits abschließend definiert, ebenso ein ausreichender Frost-Tausalz-Widerstand wegen ausdrücklichem Einschluss der Einwirkung von Taumittel und Salzwasser in der Bauteilzuordnung für Beton ab C30/37. Beide Werte brauchen deshalb für den Pflasterbau nicht erneut vorgegeben zu werden.

Insgesamt können vorstehende Messwerte einem Betonfachmann Hinweise geben, in welche Richtung die Zusammensetzung eines gegebenen Mörtels oder Betons tendiert. Doch im Pflasterbau verunsichern solche Angaben nur, verhindern aber real nicht einen einzigen Schaden. Dann sollte auf ihre Angabe Fachkompetenz zeigend auch verzichtet werden. - Erinnern Sie sich lieber wieder einmal an Ihren Professor im ersten, spätestens zweiten Semester: "Wer viel misst, misst Mist."-


5. Kunststoffvergütete Mörtel?

Seit jemand die Bezeichnung "kunststoffvergüteter Mörtel" für sein Produkt aufführte, ist praktisch die gesamte Branche gezwungen, diese Formulierung in den Verkaufsunterlagen irgendwo zu verwenden. Denn einfach zu viele Auftraggeber verbanden in Unkenntnis des technischen Sachverhalts mit einem so bezeichneten Material eine außergewöhnliche Qualität und drohten Herstellern sogar schon den Ausschluss aus dem Wettbewerb an, falls sie die Kunststoffvergütung nicht auch für ihr Produkt bestätigen konnten. Doch hätte ebenso "phantastischer Fugenmörtel" geschrieben werden können; denn es handelt sich dabei nicht um einen terminus technicus, sondern lediglich um den schmückenden Hinweis, dass in dem Mörtel irgend ein künstlich hergestelltes Mittel verarbeitet wurde. Das kann z. B. ein Luftporenbildner, ein Verflüssiger oder irgend ein anderes Zusatzmittel aus der Palette der für die Betontechnik zugelassenen künstlich hergestellten chemischen Stoffe sein. Eines davon dürfte zumindest in Werk-Trockenmörteln deutscher Herstellung immer enthalten sein. Allerdings darf die Kunststoffvergütung nicht mit einem Kunststoffbindemittel wie Epoxidharz verwechselt werden. Trug vielleicht solch eine Verwechselung so manches Mal dazu bei, einen Qualitätsunterschied in den Zementmörtel zu interpretieren?

6. Fugenmörtel nur aus Sand und Zement?

Bei einem Werk-Trockenmörtel stehen Planer wie Einkäufer derzeit immer wieder vor der Aufgabe, jene Materialien erkennen zu müssen, deren Produktbeschreibungen und Argumentationsketten so aufgebaut wurden, dass die Unzulänglichkeiten des Materials nicht nur kaschiert, sondern manchmal sogar als (Schein-) Vorteil dargestellt wurden. Denn wenn die moderner Betontechnologie entsprechenden Inhaltsstoffe fehlen, muss hingenommen werden, was die Grundstoffe überhaupt nur hergeben.

So können beispielsweise Schwindspannungen aufgrund zu hohen Wasseranteils im Mörtel durch den Einsatz bestimmter für die Betontechnik zugelassener Chemikalien auf ein ungefährliches Maß gesenkt werden. Beim gänzlichen Fehlen von Zusätzen und Zusatzmitteln kann auch auf das Wissen um das Zusammenwirken der verschiedenen modernen Inhaltsstoffe im Mörtel verzichtet werden, was sich aufgrund von Wechselwirkungen im Detail deutlich schwieriger darstellt, als ein erster Blick vermuten lässt. (Man ahnt nicht, wie viele Versuche erforderlich waren, um Werktrockenmörtel so herzustellen, bis sie den heute als selbstverständlich unterstellten Qualitätsstandard in allen Punkten erfüllten!)

Es muss aus technischer Sicht deutlich vor dem Einbau von Einfachmörtel gewarnt werden, der unter hervorgehobenem Verzicht auf alle Zusätze und Zusatzmittel nur aus Sand und lediglich 450 kg Zement besteht, aber mit einem Überschuss an Wasser verdünnt werden "darf", bis sich eine dünnflüssige Konsistenz ergibt. Verarbeiter werden sicher recht bald erkennen, dass sie 450 kg Zement wesentlich preisgünstiger selbst mit der erforderlichen Menge Sand mischen können, um zum gleichen, aber ebenso unzureichenden technischen Ergebnis wie vorstehend zu kommen. (S. a. den für den Einkauf zitierten John Ruskin.)

Solch ein Mörtel kann die benötigte Mindestdruckfestigkeit gar nicht erreichen, was herstellerseitig angegeben durch deutlich niedrige Werte bestätigt wird. Herstellerseitig dazu angegebene Messungen sind darauf zu überprüfen, ob sie im Labor unter optimal eingehaltenem Wasser-Zement-Wert erstellt wurden, oder ob die vom Hersteller maximal zugelassene Wassermenge zu dem angegebenen Wert führte. Denn dann würden Labor und Praxis bei weitem nicht übereinstimmen.

Dieses dürfte Baufirmen besonders interessieren: Wird aber ein Zusatzmittel zur Qualitätsverbesserung des Mörtels zusätzlich angeboten, gilt der Verarbeiter danach juristisch plötzlich als Hersteller mit allen Konsequenzen in der Produkthaftung!

Insgesamt wird dieser Mörtel als System angeboten, nämlich in Kombination mit einem Vibrationsgerät, welcher den Mörtel in der Fuge verdichten soll, bis überschüssiges Wasser austritt, bei anschließender Reinigung mit einer Schwammputzmaschine. Obwohl auf den ersten Blick einleuchtend klingend, sind dabei aber folgende Fakten zu berücksichtigen:

Die Festigkeit eines Betons oder Mörtels wird entscheidend durch die Einhaltung des für eine optimale Aushärtung erforderlichen Wasseranteils im Verhältnis zum vorhandenen Zement, dem Wasser-Zement-Wert, bestimmt. Wird ein Mörtel nun aber wie hier mit viel zu viel Wasser angemischt, um ihn bequem und in voller Tiefe überhaupt in die Fugen einbringen zu können, ist der Wasser-Zement-Wert gar nicht mehr bestimmbar. Denn in der Fuge verdichtet sich der Mörtel - wie herstellerseitig richtig beschrieben. Deshalb tritt hier auch überschüssiges Wasser aus, das Material wird also offensichtlich durch Sedimentation entmischt! Entmischung bedeutet aber immer auch eine Qualitätsveränderung.

Auch ist die Menge des nach diesem Verfahren ausgesonderten Wassers entscheidend von der Wirktiefe und besonders auch von der Wirkdauer der aufgebrachten Energie abhängig. Anders ausgedrückt: Geht der Arbeiter unter dem auf Baustellen normal vorherrschenden Zeitdruck ("Du musst ordentlich Quadratmeter machen!") recht schnell mit seinem Vibrationsgerät über die Fläche, kann die nebenbei auch gewollte Verdrängung von Lufteinschlüssen in der Fuge nicht erreicht werden und es tritt weniger Wasser aus. Somit wird die Festigkeit des Mörtels zusätzlich zum fehlenden Zement geschwächt.

Daneben sind aber auch die empfohlenen Vibrationsgeräte beobachtet worden, wie sie die in Großpflaster gewünschte Einbringung des Fugenmörtels bis zum Bettungsmörtel nicht erreichten, weil die Wirktiefe der Rüttelung nicht ausreichte. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass die Rüttelung zu einem großen Teil durch die fest im Bettungsmörtel verankerten Steine unterbunden wird. Es blieben großvolumige Luftpolster in der Fuge, so dass die Statik der Belagplatte wiederum geschwächt und Frostschäden begünstigt wurden. Wird jedoch ein ausreichend tief wirkendes und somit schwereres Gerät eingesetzt, kann damit eventuell die Haftung der Steine am Bettungsmörtel gelöst werden, was später zu kostenträchtigen Pflasterschäden führen kann. Solch ein Verfahren wurde deshalb im Kapitel Pflaster > Rütteln? bereits ausführlich als Baufehler beschrieben.

Vorbehalte zur Argumentation für dieses Verfahren werden verstärkt, wenn 15 % gebrochene Feldspat-Anteile im Fugensand angeblich "dem Fugenmörtel die nötige Härte geben". Prozentzahlen können leicht den Blick auf die Praxis vernebeln. Deshalb stellen Sie sich bitte einmal vor, wie in einer Fuge z. B. 20 Sandkörner mehr oder minder in einer Reihe nebeneinander liegen und darin ganze 3 aus Feldspat bestehen. - Diese anteiligen 3 Körner sollen "dem Fugenmörtel die nötige Härte" insgesamt geben? - Wird die Härte nicht eher durch den beim Mischen mit Wasser sich bildenden und optimal auskristallisierenden Leimfilm in einer optimal abgestimmten Sieblinienverteilung gebildet, die eine Veränderung des ausgehärteten Gefüges unter Belastung verhindert und ihm deshalb seine Festigkeit verleiht?



[Weiter]


[Diese Seite drucken]


.

Suche

Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü