Dauerhaft verfugtes Straßenpflaster


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Unterbeton

Tragschicht


Unterbeton unter Rinnen neben und quer zu befahrenen Straßenflächen sind frostsicher innerhalb der Expositionsklassen XF 1 bis XF 4 der Betonnorm DIN-EN 206 auszuführen. Begründete Ausnahmen sollten zwischen Bauherren, Planungsbüro und ausführender Baufirma in einem schriftlichen Protokoll festgelegt werden.

Begründung:


Unterbeton unterhalb der Qualität Beton C 25/30 ist wegen fehlender Frostsicherheit aufgrund der Vorgaben in der Betonnorm EN 206-1 im Straßenbau regelwidrig. Gleichlautend hohe Qualität schreibt auch DIN 1045 in Tabelle 1 bei Frostangriff (Expositionsklassen XF1 bis XF4) vor. In häufig überfahrenen Bereichen, wie z. B. im Bereich Lkw-genutzter Grundstückszufahrten, ist analog zu Betondecken die Qualität Beton C30/37 ratsam, um den statischen Anforderungen zu genügen. Daneben ist zu beachten, dass der Unterbeton im Bereich der offenen Stoßfugen von Bordsteinen direktem Taumittelangriff ausgesetzt ist. Bei Taumitteleinsatz schreibt DIN EN 206-1 gleichlautend mit DIN 1045 in Tabelle 1 ohnehin einen Beton C 30/37 als Minimum vor.

Das Merkblatt für Flächenbefestigungen mit Pflasterdecken und Plattenbelägen, Teil 1, Regelbauweise (Ungebundene Ausführung) M FP 1, regelt in Abschnitt 4.9 diesen Sonderfall bereits in der Ausgabe 2003. Fehlerhaft ist dort die Vorgabe eines Betons B 15. Zum Erscheinungsdatum dieses Merkblattes lag die Betonnorm EN 206-1 bereits vor, welche nach einer 2jährigen Übergangsfrist seit 1.1.2005 die verbindliche Bauregel darstellt und für Tiefbauten im Frosteinwirkungsbereich mindestens einen Beton der Druckfestigkeitsklasse C 25/30 vorschreibt. Denn erst ab diesem Wert weisen die verschiedenen Betonsorten die für ausreichende Frostsicherheit erforderliche Dichte auf.

Den gleichen Fehler wie im M FP 1 finden wir auch in der erst Ende 2006 erschienenen DIN 18318 Pflasterdecken und Plattenbeläge in ungebundener Ausführung, Einfassungen, Ausgabe 2006, in Abschnitt 3.9. Dort ist das Material zwar schon als Beton C 12/15 bezeichnet, was aber nichts an seiner fehlenden von den RStO 01 zwingend geforderten Frostsicherheit für den gesamten Oberbau ändert. In DIN 18318 wird für den Unterbeton C 12/15 nach 28 Tagen sogar nur noch eine Mindestfestigkeit des fertigen Bauteils von im Mittel gerade einmal 8,0 N/qmm, niedrigster Einzelwert 6,4 N/qmm, festgelegt, obwohl der Beton per Definition mindestens 15 N/qmm aufweisen soll! Dieser Mindestwert ist der gleiche, wie im Merkblatt DBT, Ausgabe 1996, Abschnitt 4.5 gefordert, der aber in der ZTV Pflaster-StB 06 durch den Hinweis in Abschnitt 1.4.2 als für die Praxis zu niedrig herausgestellt wird!

Praktisch alle Fachleute können nun im Wortsinn kilometerlange Gegenbeweise mit Rinnen aufführen, die sich, seit Jahrzehnten in den Alten und Neuen Bundesländern in Beton B 15 (heute Beton C12/15 genannt) ausgeführt, bis heute schadlos zeigen. Die zu beachtende Besonderheit ist aber, dass es sich in der Regel um nahezu unbelastete Baukörper handelt. Ein praktisch einmalige Überrollen einer Rinnenpflasterung z. B. aufgrund eines gelegentlichen Ausweichmanövers ohne starke Bremsung oder Beschleunigung hält auch das schlechtest gebaute Pflaster aus. Die Rinnen hätten demnach seinerzeit durchaus auch einfach in gut verdichteten Sand gesetzt und meinetwegen mit Mörtel verfugt werden können und würden sich heute wahrscheinlich fast ebenso makellos darstellen.

Ganz anders sieht es aber in belasteten Zonen aus. Gemeint sind damit von Sattelaufliegern und anderen schweren Lkws genutzte Grundstückszufahrten zu Industriegrundstücken, zu großen Kaufhäusern, Lebensmittelmärkten usw., aber auch manchmal die Querung einer Hangstraße in gebirgigem Gelände u. ä. m.. Hier zeigen sich erfahrungsgemäß die ersten Schäden in den Fugen bereits nach wenigen Jahren.

Nicht umsonst wurde in Abschnitt 1.4.2 der ZTV Pflaster-StB 2006, sie erschienen bereits vor der neuen DIN 18318, zurecht der folgende wichtige Vermerk zur DBT eingefügt:

"Für Flächen, die mit Kraftfahrzeugen befahren werden, sollten hinsichtlich der Druckfestigkeit höhere Anforderungen vereinbart werden."

Das (nicht verbindliche) Arbeitspapier Flächenbefestigungen mit Pflasterdecken und Plattenbelägen in gebundener Ausführung, Ausgabe 2007, weist in Abschnitt 4.1 ergänzend speziell auf die Tabelle 3 des Merkblattes für wasserdurchlässige Befestigungen von Verkehrsflächen, Ausgabe 1998, hin. Auch fordert es einen Unterbeton der Festigkeitsklasse C 20/25, der aber wiederum noch immer nicht den Mindestanforderungen der Betonnorm EN 206-1 im Frost- und Tausalz-Widerstand entspricht, wie oben bereits ausgeführt.

Seit ich erstmals auf die geschilderten Unstimmigkeiten zwischen RStO und M FP 1 im Internet hinwies, häufen sich die Mitteilungen von Planungsingenieuren und Baufirmen, die mir von Ärger mit zerstörtem Unterbeton nur an den belasteteten Stellen berichteten. - Es verdichtete sich bei mir daraufhin der Eindruck, dass die bisherige Schadensanalyse die geringe Druckfestigkeit des Betons in den Vordergrund schob, aber eine fehlende Frostsicherheit von früher B 15, heute Beton C 12/15, häufig gar nicht erst in die Reihe der möglichen Ursachen für den Schaden einbezog.

Fassen wir die vorstehenden Betrachtungen zusammen, hätte eine fachlich korrekte Festlegung des Unterbetons im Merkblatt M FP 1 und auch in DIN 18318 seine Frostsicherheit einbeziehen müssen. Außerdem kann man auch nicht davon ausgehen, dass bundesweit nur trockene Sandböden vorherrschen, die kaum Wasser in den Beton eindringen lassen, wie ab und an schon argumentiert wurde. Vielmehr gibt es viele Gebiete mit ausgesprochen ungünstigen Grundwasserverhältnissen z. B. in Marschen und Flussauen, auf Lehm- und Tonschichten usw..

Doch warum soll man nicht auch positive Erfahrungen als Planungsingenieur pragmatisch zu nutzen wissen? Wer gut durchdacht die lokale Situation nutzt, wird evtl. Beton C 12/15 gezielt in den absolut unbelasteten Strecken kostensparend und erfahrungsgemäß auch erfolgreich einsetzen. Diese Möglichkeit ist durch DIN und Merkblatt wie geschildert derzeit gedeckt. Aber in allen Bereichen, die häufiges Befahren oder gar Bremsungen, Beschleunigungen und Kurvenfahrt besonders durch Lkws erwarten lassen, also insbesondere alle Rinnen quer zu belasteten Zonen wie Grundstückszufahrten und Straßenquerungen, wird ein bedacht planender Ingenieur von nun an den Unterbeton C 12/15 durch eine durchgehende Dehnungsfuge spätestens am letzten Stein des Hochbordes trennen und im Bereich der Absenkung, also der Belastungszone, partiell mindestens in Beton C 30/37 als Unterbeton ausführen. -

Vorgaben in diesem Sinne in DIN 18318 und M FP 1 wären echte Hilfen für die Praxis gewesen. Dem berüchtigten "kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den sich Interessengruppen einigen konnten" fehlte hier meines Erachtens nur dieser winzige Zusatzschritt für eine allseits befriedigende Lösung. Sein Fehlen wird nun aber noch so manchen Ärger herbeiführen, den vorrangig wohl die Baufirmen zu zahlen haben werden. -

Aus diesem Grunde erscheint es für alle Baufirmen ratsam, gegen Unterbeton C 12/15 grundsätzlich Bedenken wegen fehlender Frostsicherheit für den Oberbau lt. RStO 01 anzumelden. Danach bleibt es dem zuständigen Planungsingenieur unbenommen, zwecks Baukostenersparnis eine Einigung zusammen auch mit dem Bauherren z. B. unter Nutzung der vorstehend geschilderten differenzierenden Bauweise herbeizuführen. Dazu ist er mit seiner nun durch den Wortlaut der DIN EN 206-1 vergrößerten Verantwortung bei der Auswahl des Materials berechtigt.

Die eingangs aufgeführte Protokollierung dient der Haftungseinschränkung bezüglich der beschriebenen nicht frostsicher und evtl. unzureichend druckfest geplanten und gebauten Teile. Denn durch den Bau mit Beton C 30/37 oder gar fester speziell in der Belastungszone könnten später Rechtsanwälte schon bei kleinen Schäden auf die Idee kommen, dem zuständigen Planungsbüro eine unzureichende Planung samt damit anfallender Haftung anzukreiden, weil mögliche Schäden durch Befahrung auf Unterbeton C 12/15 dem Planungsbüro offenbar bekannt waren. Der Bauherr ist deshalb ausdrücklich über die Technik (fehlende Frostsicherheit/unzureichende Statik) aufzuklären. Sollten den Beteiligten die Kosten für eine ab Beton C 30/37 normal erforderliche Fremdprüfung zu hoch erscheinen, steht es ihnen frei, in einer Vereinbarung auf diese zu verzichten und sich auf die obligatorischen Eigenprüfungen des Herstellers zu verlassen, die für diesen Sonderfall völlig ausreichen dürften.



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