Dauerhaft verfugtes Straßenpflaster


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Wasserdurchlässig?

Bettung


Bettungsmörtel müssen wasserundurchlässig sein.

Begründung:

Die Forderung nach Wasserdurchlässigkeit stammt aus dem ungebundenen Aufbau. Dort führt eine unzureichende Wasserdurchlässigkeit der Bettung zu Pflasterschäden, weil zu stark mit Wasser versetzter Fugensand seine stützende Wirkung verliert, wie wir alle bereits beim "Kuchenbacken" in der Sandkiste lernten. Im gebundenen Aufbau hat solch eine Forderung aber nichts zu suchen. Oder sollen die Betondecken unserer Autobahnen zukünftig zur heute bereits vorgegebenen Betonplatte eine zusätzliche dränfähige gebundene Schicht an ihrer Unterseite zur wasserdurchlässigen Tragschicht nur für den Fall aufweisen, dass in der oberen Decke ein Riss entstehen sollte? - Was hier unsinnig ist, führt solche Forderungen an den gebundenen Pflasterbau wohl gleichfalls ad absurdum. -

Bezüglich möglicher Frostschäden in schwammartigen Beton-Strukturen, wie der neuerdings oft ausgeschriebene wasserdurchlässige Bettungsmörtel, ist folgendes zu bedenken:

Frostsicher im Sinne der RStO 01 kann ein Bettungsmörtel nur sein, wenn er möglichst wenig Hohlraumanteil hat, in dem anstehendes Wasser gefrieren und dabei die innere Bindung des Materials zerstören könnte. Wenn ein wasserdurchlässiges Material mit praktisch schwammartiger Struktur sich mit Wasser sättigen kann und anschließend gefriert, sprengt die 9prozentige Ausdehnung beim Übergang von Wasser zu Eis die innere Bindung des Bettungsmörtels. Solch eine Situation kann entstehen, wenn nach einer längeren Frostperiode der Boden tief gefroren ist. Tritt nun Tauwetter ein, schmilzt der Schnee und dringt als Wasser in die Bettung ein, z. B. durch die offenen Stoßfugen der Borde, durch Risse in den Fugen nach einem Unfall, an inzwischen nicht mehr vollständig dichten Dehnungsfugen usw.. Da der Boden aber in seiner Tiefe weiterhin gefroren ist, bildet sich für das eindringende Schmelzwasser eine Sperrschicht, durch die es nicht versickern kann. Tritt nun erneut Frost ein, kommt es großflächig zu Frostschäden im Bettungsmaterial. Danach weist solch ein Bettungsmörtel nicht mehr seine ursprünglichen Eigenschaften bezüglich Standhaftigkeit und Tragfestigkeit auf. Unter Verkehrsbelastung kann es deshalb zu Fugenschäden kommen. Dieser spezielle Witterungsverlauf ist jedoch nicht in jedem Winter anzutreffen und wurde wohl auch deshalb anscheinend in den Regelwerken bislang nicht beachtet. Dennoch entstandene Schäden wurden offenbar mit anderen Ursachen begründet.

Aus diesem Grund ist Bettungsmörtel stets wasserundurchlässig zu planen und einzubauen. Ansonsten sei ausführenden Baufirmen zur eigenen Sicherheit geraten, unter Hinweis auf die Forderung der RStO 01 nach Frostsicherheit für den gesamten Oberbau Bedenken anzumelden.


Bei der Diskussion über die Vorteile eines wasserdurchlässigen Bettungsmörtels wird daneben nicht erwähnt, dass sich jede schwammartige Struktur eines Mörtels oder Betons gegenüber dem stets vorhandenen Straßenschmutz wie der Luftfilter im Auto verhält: Sie setzt sich im Laufe der Zeit zu, sofern nicht schon der Fugenmörtel während des Einbaus entsprechend wirkte! So wird mit großem Aufwand und vielleicht sogar mit großem Ärger auf der Baustelle ein optimal wasserdurchlässiger Mörtel hergestellt, geliefert und eingebaut. Wenn aber seine ableitenden Eigenschaften tatsächlich gebraucht werden, sind seine dafür erforderlichen Hohlräume und Poren voraussichtlich verstopft! -

Nun der wohl entscheidende Hinweis: Wenn so hohe Kräfte auf die Belagplatte einwirken, dass Risse im Fugenmörtel entstehen, dann wird der ohnehin weniger feste Bettungsmörtel zwangsläufig gleich mit geschädigt, spätestens wenn sich die Fläche unter Last leicht durchbiegt. Denn in der tiefer gelegenen Schicht ist der Radius unter einem Rad größer und deshalb wirken die stärksten Kräfte zwangsläufig im Bettungsmörtel. Demnach ist der hier gewünschte vertikale Wasserdurchgang ohne besondere Konstruktion und ohne dadurch herbeigeführte Risiken ohnehin gegeben. Wozu dann überhaupt der ganze kostentreibende und insgesamt die Stabilität der Pflasterfläche gefährdende Aufwand?

(Wer jedoch meint, dass aufgrund des großen Stützkornes ein wasserdurchlässigen Bettungsmörtel trotz seiner durch Frost beraubten inneren Bindung keine Pflasterschäden verursachen wird, sollte logischerweise gleich einen Bettungssand entsprechender Sieblinie einbauen. Dann verändern sich aber diverse statische Parameter, welche nun neu auszulegen sind, wie z. B. die Schichtdicke der Belagplatte, evtl. die erhöhte Gefahr der Aufwölbung der Pflasterfläche im Hochsommer u. a. m.!)

Sollte aber aus welchen Gründen auch immer ein Haarriss einmal nicht durch die Bettung reichen, setzt er sich erfahrungsgemäß sehr schnell mit Staub zu, was erfahrene Fachleute auch von Dränbetonsteinen kennen, deren Poren sich nach einer gewissen Zeit schließen. Sogar Sandfugen werden so im Laufe der Zeit nahezu wasserundurchlässig, worauf das Merkblatt M FP 1, Ausgabe 2003, in Abschnitt 2.1 ausdrücklich hinweist. Unter diesen Bedingungen kann es kaum außergewöhnliche Frostschäden in einem gebundenen Pflaster geben. Sollten aber wirklich einmal breite Risse entstehen, sind diese ohnehin - ob mit oder ohne Durchlässigkeit des Bettungsmörtels - im Rahmen der für jedes Bauwerk normalen Instandhaltsmaßnahmen zu sanieren, um weiteren Pflasterschäden vorzubeugen.

Insgesamt betrachtet ist die Gefahr der Schädigung der Pflasterfläche durch den Einbau eines wasserdurchlässigen Bettungsmörtels deutlich größer und im Schadenfall auch weitaus großflächiger zu erwarten, als bei Einbau eines solchen mit dichtem Gefüge. Es gibt derzeit wohl starke Interessen zur Vorgabe wasserdurchlässigen Bettungsmörtels. Er wird in weit größeren Mengen als Fugenmörtel benötigt. Außerdem stellt er keine billige Massenware dar wie standardmäßiger Beton. Dieses Geschäft wird vermutlich so lange funktionieren, bis eine genügend große Zahl von Schäden aufgrund oben genannter Gründe bekannt geworden sind. So wird sich wohl wieder einmal die Feststellung von Ernest Hemmingway bewahrheiten: "Erfahrungen kommen entweder zu früh oder zu spät."

Planungsbüros und Bauherren sollten sowohl aus technischen wie auch aus Kostengründen auf die Vorgabe eines wasserdurchlässigen Bettungsmörtels verzichten. Andernfalls sollten Bauunternehmen im Interesse aller Beteiligten grundsätzlich Bedenken anmelden, weil er der gültigen Bauregel RStO 01 mit ihrer nahenliegenden Forderung nach einem frostsicheren Oberbau widerspricht.



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