Dauerhaft verfugtes Straßenpflaster


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Zusammenstellung

Anhang

Für einen schnellen Überblick


Nachfolgend werden die Anforderungen für die Planung und Herstellung eines dauerhaft verfugten Straßenpflasters für einen schnellen Überblick zusammengefasst. Sofern Sie die technische Begründung dafür erfahren wollen, klicken Sie bitte einfach nur auf die entsprechende Überschrift. Die mit Ordungsziffern versehenen Überschriften enthalten keinen eigenständigen Text.

Einen weiteren Überblick gibt Ihnen das Muster-LV.




1. Auswahl der Bauweise

Einleitung
Aktuell steht in Deutschland das Für und Wider einer Verfugung von Pflasterflächen mit Mörtel wieder zur Diskussion. Neben sehr positiven Erfahrungen gibt es auch negative. Im kollegialen Gespräch unerwähnt und im Bewusstsein kaum verhaftet bleiben all jene insbesondere mit zementgebundenem Fugenmörtel verarbeiteten Flächen, die nun teilweise schon jahrzehntelang ohne Beanstandungen ihren Dienst verrichten und deshalb unauffällig geblieben sind. So zeigt sich eine unzulässige Verallgemeinerung, gebundene Verfugungen nur aufgrund der Tatsache, dass Schäden vorgekommen sind, fälschlich und gegen den Trend in Städtebau und Denkmalschutz zu einer Sonderbauweise zu erklären. Ob diese Klassifizierung einer schon in der Antike praktizierten Bauweise auch juristisch haltbar ist, wird sich wohl in der Zukunft zeigen müssen.

Ebenso gibt es heute viele sandverfugte Flächen sogar schon aus der Zeit Napoleons, die zum Teil u. a. in den Neuen Bundesländern bis in unsere Tage Bestand hatten und haben. Die vielen bekannten Schäden in ungebunden gestalteten Pflasterflächen aus Klinkern, Beton-, und Natursteinen, die neben anderen Möglichkeiten, z. B. aufgrund nicht eingehaltener Filterstabilität oder der Pumpwirkung von Reifen entstanden, müssten demnach analog zur gebundenen Bauweise ebenfalls dazu führen, auch diese Art der Pflasterung nun generell nicht mehr als Regelbauweise zuzulassen. Solch eine hier provozierend aufgestellte Forderung ist selbstverständlich ebenso unsinnig, wie die oben angeführte unzulässige Verallgemeinerung.

Vermerke, welche die Verfugung von Pflasterflächen mit geeignetem Fugenmörtel als sich nicht bewährt habend beschrieben, verschweigen, dass die lange Zeit gültigen Regeln der Bautechnik selber den Fugenbruch per Bauregel viel zu oft vorgaben. Sehr viele Schäden in gebunden verfugten Pflasterflächen sind nämlich auf unglückliche und unvollständige Ausführungen zur Schichtdicke der Decke, zur Materialqualität der Fugen- und Bettungsmörtel in der DIN 18318, Ausgabe 1992 und früher, sowie auf darauf aufbauenden Regelwerksteilen zurückzuführen. Daneben wurden auch Schäden durch unzureichend bemessene Dicken von Tragschichten lt. den RStO 86/89 begünstigt, ebenso durch der Statik einer gebunden ausgeführten Pflasterdecke nicht genügende Mindest-Steindicken. Gerade die Statik wurde m. E. für die dynamischen Belastungen der gebundenen Bauweise im Pflasterbau nicht im erforderlichen Umfang berechnet. So wird der Sachverhalt zur Bewährung der gebundenen Bauweise von Pflasterflächen wohl treffender wie folgt beschrieben:

"Die früher gültigen Regeln der Bautechnik für die gebundene Bauweise von Pflasterflächen waren unzureichend und führten deshalb in vielen Fällen zu Pflasterschäden!"

Es kommt nun also darauf an, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, um die situationsbedingt jeweils bestgeeignete Bauweise zu finden und sie, abgestimmt auf die zu erwartenden Verkehrsbelastungen, in Materialauswahl und Gestaltung aufgrund der inzwischen vorliegenden erweiterten Erkenntnisse optimal zu planen und auszuführen.

Pflasterflächen mit Sandfugen unter leichter bis mäßiger Verkehrsbelastung (Gehwege sowie Fahrbahnen der Bauklasse VI bis V) und ohne Reinigung durch Spülfahrzeuge und/oder Kehrsaugmaschinen sowie mit im Bedarfsfall rechtzeitig ausgelöster Nachverfugung, können sich problemlos über viele Jahrzehnte bewähren.

Reinigungs- und Regeneinwirkungen sowie erhöhten Verkehrsbelastungen werden jedoch wesentlich besser Flächen in gebundener Bauweise standhalten, weil sie eine Belagplatte bilden, bestehend aus der kraftschlüssigen Verbindung von Bettung, Belagsmaterial und Fugenmörtel.

Denn das wesentliche Kriterium für die Beurteilung einer Verfugung ist ihre Fähigkeit, den Pflasterbelag dauerhaft am vorgesehenen Platz zu halten und dazu beizutragen, auftretende Lasten flächig abzutragen. Dabei ist der über eine Belagplatte wesentlich großflächigere Lastabtrag sicher ein wesentliches Kriterium für die Dauerhaftigkeit der in gebundener Bauweise hergestellten Pflasterflächen.

Ungebunden erstellte Pflasterflächen ziehen viele Bauherren und Planer aus ästhetischen Gründen vor. Daneben sind sie unbestreitbar am kostengünstigsten herzustellen. Diese Argumente verleiten bei der Planung schnell dazu, die Vermörtelung der Fugen von Beginn an gar nicht erst in Betracht zu ziehen. Die reinen Herstellkosten für den gebundenen Aufbau einer Pflasterfläche sind zudem naturgemäß höher als bei der ungebundenen Bauweise. Aber es sind auch die Folgekosten zu berücksichtigen:

Ein gebundener Aufbau wird gegenüber einem ungebundenen oft sogar zu eindeutig belegbaren Kostenersparnissen führen, wenn die Folgekosten von Nachverfugungen, Leistungen des Straßenunterhalts, an erhöhten Personalkosten für Reinigungsaufwand und erhöhtem Sondermüllaufkommen durch Fugensand in den Kläranlagen, im tatsächlich anfallenden vollen Umfang berechnet werden. Außerdem errechnen Sie einmal die Kosten einer nur deshalb neu zu erstellenden Pflasterung, weil an der technisch erforderlichen Bauweise gespart wurde. Sie stehen in keinem Verhältnis zu den scheinbaren Einsparungen der flexiblen zur starren Bauweise!

Es gibt eine Vielzahl von Veranlassungen, Pflasterflächen nicht mit Sandfugen, sondern mit einer Mörtelverfugung auszuführen, wie die folgenden Seiten zeigen. Dabei stehen grundsätzlich nur 3 im Vordergrund:

1. Erhöhter Widerstand gegen besondere mechanische Belastungen von Straßenpflaster

2. Hohe Ansprüche an die Sauberkeit und gute Begehbarkeit der Pflasterflächen

3. Dauerhaftigkeit der Fugen auch bei starkem oder lange anhaltendem Regen und gegen fließendes Wasser


1.1. Mechanische Belastung

Besondere Beanspruchung
An Steigungen, in Beschleunigungs- und Bremsstrecken, durch ungelenkte und deshalb radierende Achsen in Kurven, aus häufigem Stop-and-go-Verkehr, bei langsam fahrenden Verkehr sowie durch Spurfahrt ergeben sich speziell unter Schwerverkehr besondere Beanspruchungen für ein Pflaster (s. RStO 01 Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, Abschnitt 2.7 Besondere Beanspruchungen), denen die gebundene Bauweise besser standhalten kann als eine ungebundene.
Nachfolgende Beispiele aus der Praxis unterliegen den vorgenannten Beanspruchungen in einem besonderen Maße.

Schwerverkehr
Schwerverkehr an sich ist kein Kriterium, sich für eine der beiden hier diskutierten Bauweisen zu entscheiden. Die Häufigkeit von Schwerverkehr auf einer Straße beeinflusst aber die Festlegung ihrer Bauklasse, wie nachfolgend beschrieben.

Verkehrslast
Die Gefahr von Pflasterschäden in der ungebundenen Bauweise steigt mit der Verkehrsbelastung. Die Forderung nach vermörtelten Fugen samt passendem Aufbau darunter zumindest in den Bauklassen IV und III deckt sich mit internationalen Erfahrungen.

Bremszonen
Für Pflasterflächen an Ampeln, Kreuzungen und Einmündugen treffen die Begriffe der RStO 01 Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001 in Abschnitt 2.7 für besondere Beanspruchungen nahezu komplett zu. Die gebundene Bauweise ist hier bei entsprechender Verkehrsbelastung vorzusehen.

Busse, Taxen
Busverkehrsflächen und stark frequentierte Haltestreifen für Taxen sind aufgrund der dort anzutreffenden besonderen Belastungen in gebundener Bauweise zu erstellen. Bei der Wahl der Bauklasse sind die Vorgaben der RStO 01 für Busverkehrsflächen und das Merkblatt für den Bau von Busverkehrsflächen zu beachten.

Umleitungen
Bei der Festlegung der erforderlichen Bauklasse sind später mögliche Umleitungen anderer Straßen über die aktuell zu planende mit einzubeziehen und die erforderliche Bauklasse deshalb eventuell zu erhöhen.

Kreisverkehr
Kreisverkehrflächen mit ihren kombiniert auftretenden besonderen Beanspruchungen gehören mit zu den am schwierigsten dauerhaft zu bauenden Pflasterflächen. Die gebundene Bauweise mit Großpflaster in der Bauklasse III bietet sich hier vorrangig an.

Industrieflächen
Kreisverkehrflächen mit ihren kombiniert auftretenden besonderen Beanspruchungen gehören mit zu den am schwierigsten dauerhaft zu bauenden Pflasterflächen. Die gebundene Bauweise mit Großpflaster in der Bauklasse III bietet sich hier vorrangig an.

Aufpflasterung
In Aufpflasterungen zur Verkehrsberuhigung unterliegen insbesondere deren geneigte ersten Steinreihen besonderen dynamischen Belastungen, aber auch die von Federn und Stoßdämpfern evtl. nicht ausgeglichenen anschließenden Bereiche auf und nach dem "Kissen". Diese Bereiche sollten deshalb in gebundener Bauweise geplant und ausgeführt werden. Sinngemäß gilt dieses für alle Stellen mit Höhenversatz in einem befahrenen Pflaster.

Pflasterstreifen
Pflasterstreifen in Asphaltdecken quer zum Fahrbahnverlauf sind auf frostsicherem Unterbeton mindestens der Qualität Beton C30/37 und mit einer gebundenen Verfugung auszuführen.

Zufahrten
Erfolgen Grundstückszufahrten über Gehwege, sind die überfahrbaren Bereiche in ihrem Aufbau wie die angrenzende befahrene Straße zu planen und auszuführen. Der Pflasterbelag muss dem einer Fahrbahn gleich sein.

Vandalismus
Durchgangsstrecken für Demonstrationen und andere von Vandalismus besonders gefährdete Straßen sind mit fest vermörtelten Pflastersteinen herzustellen.

Vorhandene Tiefbauten
Wenn stark befahrene Pflasterflächen auf Brücken, Tiefgaragen oder anderen Tiefbauten oder auf vorhandenen alten Beton- oder Asphaltschichten geplant werden, muss berücksichtigt werden, dass sie eine gebundene und wasserundurchlässige Unterlage darstellen. Zur Vermeidung von Pflasterschäden sind Bettung und Fugen ebenfalls in gebundener Bauweise und wasserundurchlässig zu gestalten.

Tragfähigkeit unzureichend
Bei unzureichender Tragfähigkeit des Untergrundes kann in Einzelfällen eine Belagplatte aus Pflaster in gebundener Bauweise eine ausreichende Statik ergeben, welche eine ungebundene Bauweise an gleicher Stelle nicht erbringen kann.

Fahrgeräusch
Die gebundene Pflasterbauweise mindert Fahrgeräusche im Vergleich zur ungebundenen.

1.2. Wasserbelastung

Regen
Ein weiterer Grund für die gebundene Bauweise ist die beeinträchtigte Standfestigkeit einer befahrenen Pflasterfläche während langer Regenperioden, ebenso der Austrag von Fugensand durch den Fahrverkehr bei Regen je nach tatsächlichem Verkehrsaufkommen, aber auch durch Starkregen. Gleiches gilt für sich natürlich leerende Sandfugen in den Traufbereichen von z. B. Markisen, Bäumen, Fassaden etc..

Hochwasser

Die Möglichkeit der Überflutung von Pflasterstraßen innerhalb von Hochwassergebieten ist zu prüfen. Eine dadurch zu begründende gebundene Bauweise ist abzuwägen.

Gefälle
Wenn Pflasterstraßen ein starkes Gefälle aufweisen, droht die Ausspülung der Sandfugen durch Regenwasser. Solcherart verursachte Pflasterschäden werden durch eine gebundene Bauweise vermieden.

Überdachung
Bei zu erwartender Austrocknung des Fugensandes unter überdachten Flächen ist die Anwendung der gebundenen Bauweise zu prüfen.

1.3. Kontaminationen

Schutz des Grundwassers
Pflasterflächen sollten zum Schutze des Grundwassers auch außerhalb von Wasserschutzzonen vorrangig in gebundener, wasserundurchlässiger Bauweise erstellt werden. Eine Abweichung davon sollten nur auf wenig befahrenen Nebenstraßen und unter besonderer Berücksichtigung der örtlichen Grundwasserverhältnisse überhaupt in Betracht kommen.

Vorhandene Kontaminationen
Eine wasserundurchlässig erstellte Pflasterfläche kann das Einspülen z. B. historisch verursachter Kontaminationen in tiefere Erdschichten deutlich mindern helfen.

1.4 Sauberkeit, Begehbarkeit

Maschinelle Reinigung
Bei vorhersehbarer Straßenreinigung von Pflasterflächen mit Kehrsaugmaschinen, Hochdruckreinigern und/oder Spülfahrzeugen ist zur Vermeidung von Fugen- und daraufhin folgenden Pflasterschäden die gebundene Bauweise zu wählen.

Fugängerzone
Fußgängerzonen unterliegen besonderen Ansprüchen an die Ästhetik, Sauberkeit und Begehbarkeit. Diese Anforderungen können gebunden ausgeführte Pflasterflächen in besonderem Maße erfüllen.

Marktplatz u. ä.
Pflasterflächen auf Marktplätzen und vergleichbaren Plätzen weisen häufig nicht so sehr hohe Belastungen durch Fahrzeugverkehr auf, sondern unterliegen eher besonderen Reinigungsanstrengungen, welche eine ungebunden ausgeführte Verfugung schädigen können. Dieser Gefahr ist mit einer dauerhaften Verfugung zu begegnen, also mit einer gebundenen Bauweise.

Gehwege
Gehwege sind bei Bedarf gegen zu tiefes (privat veranlasstes) Auskehren der Fugen durch Mörtelverfugungen zu schützen.

Gartenpflaster
Manche Gartenbesitzer mögen in den Fugen ihrer Pflasterflächen (Gartenwege, Terrassen) keinen Bewuchs. Auch der Eintrag von Fugensand auf angrenzende Parkettflächen ist unerwünscht. Fugenmörtel beugt dem vor.


2. Anforderungen allgemein


Rückblick
Wenn eine seit Jahrzehnten "bewährte" Arbeit durch neue Vorgaben plötzlich verändert wird, sind die Gründe für die Betroffenen nicht immer sofort nachvollziehbar. Daraus resultiert in der Praxis häufig ein Festhalten am Alten nach dem bekannten Motto "Das haben wir schon immer so gemacht." In diesem Kapitel wird eine Auswahl der wichtigsten Ursachen für Pflasterschäden in der Vergangenheit dargestellt.

Grundlegende Bauregeln
Obwohl die gebundene Bauweise zur Sonderbauweise erklärt wurde (siehe Merkblatt für Flächenbefestigungen mit Pflasterdecken und Plattenbelägen, Teil 1, Regelbauweise (Ungebundene Ausführung) MF P 1, Ausgabe 2003, 2.2), sind grundlegende Anforderungen der RStO 01, Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, auch in der gebundenen Bauweise neben anderen Regelwerksteilen zu beachten und gelten unter anderem besonders für folgende Positionen:

  • Festlegung der Bauklasse samt dafür erforderlichem Aufbau
  • Frostsicherheit des Oberbaus
  • Dickenfestlegung der verschiedenen Schichten des Straßenaufbaus
  • Auslegung der Nutzungsdauer auf mindestens 30 Jahre

Weitere ausgewählte Regelwerksteile und ähnliche Ausarbeitungen finden Sie im Anhang aufgeführt.

Schichtdicken
Die RStO 01 führen u. a. in Abschnitt 2.3 Kriterien für die Dickenfestlegung des Straßenaufbaus aus:
"Die Dicke des Straßenaufbaus ist so festzulegen, dass
1. ausreichendes Tragverhalten
2. ausreichende Frostsicherheit
gewährleistet sind. Maßgeblich ist hierbei die sich ergebende größere Dicke. ..."

Also ist auch jede Pflasterfläche in der gebundenen Bauweise so zu planen und auszuführen, dass sie den auftretenden Verkehrsbelastungen statisch genügen kann und frostsicher ist. Eine Pflasterfläche in gebundener Bauweise bildet aufgrund ihres kraftschlüssigen Verbundes eine aus Steinen, Fugenmörtel und Bettungsmörtel bestehende Belagplatte, die statisch als "Betondecke mit Pflastersteinvorsatz" angesehen werden kann und von der anschließenden Tragschicht gestützt wird. Solch eine Belagplatte darf folglich auch nicht dünner sein, als eine entsprechende Betondecke, um das ausreichende Tragverhalten und die Dauerhaftigkeit der Belagfläche nicht zu gefährden.

Frostsicherheit des Oberbaus
Aufgrund der Forderung nach Frostsicherheit für den gesamten Oberbau laut RStO 01 Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, Abschnitt 2.3 u. a., sind bei Verwendung von hydraulisch gebundenen Materialien die Betonnorm DIN EN 206-1 Beton; Festlegung, Eigenschaften, Herstellung, Konformität (Ausgabe 2001-07) und ihre nationale Ergänzung durch DIN 1045 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton, Teile 1 - 4, Anwendungsregeln zu DIN EN 206-1, (Ausgabe 2001-07), zu berücksichtigen, bis in Arbeit befindliche neue Richtlinien für den Straßenbau auf europäischer Ebene erstellt sind.
In Abschnitt 1 Anwendungsbereich der DIN EN 206-1 heißt es unter anderem:
"Diese Europäische Norm gilt für Beton, der so verdichtet wird, dass - abgesehen von künstlich eingeführten Luftporen - kein nennenswerter Anteil an eingeschlossener Luft verbleibt. ..."

Nutzungsdauer
Die RStO 01 Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, legen in Abschnitt 2.6.1 fest:
"Der Nutzungszeitraum ist in der Regel mit 30 Jahren anzunehmen."
Die tatsächliche Nutzungsdauer von insbesodere Pflasterflächen aus Naturstein wird erfahrungsgemäß aber deutlich länger erwartet, insbesondere wenn ihre Herstellung zum Erhalt eines historischen Bestandes, eventuell sogar im Sinne des Denkmalschutzes, erfolgt.
In den Erläuterungen zu DIN 1045-1, Heft 525, 1. Auflage 2003, Beuth Verlag GmbH, führt der Deutsche Ausschuß für Stahlbeton unter "zu 6 Sicherstellung der Dauerhaftigkeit, zu 6.1 Allgemeines" aus:
"Wenn auf Grund der statischen Erfordernisse eine höhere Festigkeitsklasse als nach DIN EN 206-1 und DIN 1046-2 erforderlich gewählt wird, nimmt die Dauerhaftigkeit zu."
Dieser Hinweis betrifft in der gebundenen Bauweise von Pflasterflächen nicht nur Tragschichten, sondern insbesondere auch den Fugen- und den Bettungsmörtel.

Beanspruchung
Mit diesen Ausführungen soll auch der Forderung der RStO 01 Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, im Abschnitt 2.7 Besondere Beanspruchungen, unter dem besonderen Aspekt der Verfugung von Pflasterflächen mit Mörtel Rechnung getragen werden:
"Darüber hinaus ist zu prüfen, ob den besonderen Beanspruchungen bei der Wahl der Bauweise, bei der Wahl der Baustoffe, ihrer Zusammensetzung und bei der Herstellung einzelner Schichten des Oberbaus Rechnung getragen werden muss, ..."

Entwässerung
Entsprechend ZTV Pflaster-StB 06 Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien zur Herstellung von Pflasterdecken, Plattenbelägen und Einfassungen, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Köln, Ausgabe 2006, Abschnitt 1.4.4 Entwässerung der Oberfläche,
"ist die Erstellung eines Entwässerungsplans in der Regel unerlässlich".

Hinweise zum Einkauf
Auf dem Markt gibt es inzwischen eine Vielzahl von Anbietern für Bettungs- und Fugenmörtel. Deren Qualitäten sind derzeit stark unterschiedlich und besonders bei den Fugenmörteln oft nicht vergleichbar, also auch nicht gleichwertig. Sinngemäß gilt dieses auch für die Beschaffung von Pflasterarbeiten.
Der Einkauf eines Bettungs- und/oder Fugenmörtels, der den technischen Erfordernissen nicht entspricht, kann den Grundstein für erhebliche Verluste aufgrund von Gewährleistungspflichten bilden.
Der Einkauf einer ungenügenden Pflasterarbeit wird das Auge aller Betrachter über Jahrzehnte beleidigen.

3. Tragschicht

Planung Tragschicht
Die Auslegung der Tragschichten ist den in Tafel 3, Bauweisen mit Pflasterdecke für Fahrbahnen auf F2- und F3-Untergrund/Unterbau, samt zugehörigen Texten und dort genannten weiteren Regelwerken zu entnehmen. Bei den angegebenen Schichtdicken handelt es sich um Mindestschichtdicken, die in Planung und Ausführung nicht zu unterschreiten sind.
Es wird empfohlen, für befahrbare Pflasterflächen in gebundener Bauweise grundsätzlich die Bauklasse III zu planen.

Anforderungen TS
Tragschichten müssen standfest, tragfähig, frostsicher, profilgerecht und eben sein.

Asphalt-TS
Asphalttragschichten unter gebunden ausgeführten Pflasterflächen müssen lt. ZTV Pflaster-StB 06 Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien zur Herstellung von Pflasterdecken, Plattenbelägen und Einfassungen, Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Köln, Ausgabe 2006, Abschnitt 1.4.2, wasserdurchlässig ausgeführt werden (dränfähige Asphalttragschicht). Die einschlägigen Bestimmungen des Regelwerks sind zu beachten.

Dränbeton-TS
Dränbetontragschichten sind gemäß dem Merkblatt für Dränbetontragschichten (DBT), Ausgabe 1996, (Merkblatt DBT) unter Beachtung des Hinweises der ZTV Pflaster-StB 06, Zusätzliche Technische Vertragbedingungen und Richtlinien zur Herstellung von Pflasterdecken, Plattenbelägen und Einfassungen, Abschnitt 1.4.3, auszuführen.

Unterbeton
Unterbeton unter Rinnen neben und quer zu befahrenen Straßenflächen sind frostsicher innerhalb der Expositionsklassen XF 1 bis XF 4 der Betonnorm DIN-EN 206 auszuführen. Begründete Ausnahmen sollten zwischen Bauherren, Planungsbüro und ausführender Baufirma in einem schriftlichen Protokoll festgelegt werden.

Risse in Unterbeton
Risse in Unterbeton (Sockeln) von z. B. Pflasterrinnen aufgrund zu großer Temperaturdifferenzen sind durch geeignete Maßnahmen zu vermeiden. Vor dem Verfugen ist Unterbeton gründlich auf Risse zu überprüfen und gegebenenfalls hohlraumfrei nachzubessern.

4. Bettung

Anforderungen an Bettungen
Bettungsmörtel müssen entsprechend den Anforderungen der RStO 01, Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, über den gesamten Nutzungszeitraum hinweg ausreichend standfest, tragfähig und frostsicher sein.
Die Sieblinie des Bettungsmörtels darf nicht größer sein als die maximal zulässige Fugenbreite des zu setzenden Pflasters. Dafür ist die maximal zulässige Überkorngröße des Zuschlags im Bettungsmörtel ausschlaggebend, nicht nur das nominelle Größtkorn.
Eine optimal ausgeführte Bettung besteht in der gebundenen Bauweise aus einer profilgerechten Basisschicht verdichteten Bettungsmörtels und einer darauf aufgebrachten zweiten Schicht aus unverdichtetem Bettungsmörtel unterschiedlicher Dicke je nach Art der Pflasterung (Setzschicht oder Ausgleichsschicht).
Die in Tafel 3 der RStO 01 für die Bettung vorgegebene Mindestschichtdicke von 30 mm ist unter jedem Stein und gegebenenfalls unter jeder Platte im Einbauzustand von Planung und Ausführung als Basisschicht einzuhalten.
Dabei ist die maximal zulässige Abmaßtoleranz des verwendeten Belagmaterials zu berücksichtigen. Die maximal zulässige Steinhöhe darf nicht durch die Basisschicht ausgeglichen werden. Ein Ausgleich der Mindeststeinhöhe findet durch entsprechendes Unterfüttern innerhalb der Setzschicht statt.

Frostsicherheit
Die Forderungen der DIN EN 206-1 Beton; Festlegung, Eigenschaften, Herstellung, Konformität (Ausgabe 2001-07) und der DIN 1045 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton, Teile 1 - 4, Anwendungsregeln zu DIN EN 206-1, (Ausgabe 2001-07), sind aufgrund der Frosteinwirkung auf den Bettungsmörtel innerhalb der Expositonsklassen XF1 bis XF4 einzuhalten.

Wasserdurchlässig?
Bettungsmörtel müssen wasserundurchlässig sein.

Druckfestigkeit
Die Nenndruckfestigkeit des Bettungsmörtels ist auf die zu erwartende Verkehrsbelastung und zusätzlich auf die beim Bau und die während der nachfolgenden Ruhezeit zu erwartenden Temperaturen abzustimmen:
Zum Zeitpunkt der Verkehrsfreigabe dürfen die in der Belagplatte verarbeiteten Mörtel zusammen und anteilig jeweils zu ihrer Schichtdicke im Mittel die von DIN EN 206-1 Beton; Festlegung, Eigenschaften, Herstellung, Konformität (Ausgabe 2001-07) für Betondecken geforderte Mindestdruckfestigkeit von 37 N/qmm (Beton C 30/37) nicht unterschreiten. Dabei ist die gleiche Mindestschichtdicke der Belagplatte einzuhalten, wie in Zeile 2, Tafel 2, RStO 01 Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, für eine vergleichbare Betondecke vorgegeben.

Luftporenbildner?
In den Expositionsklassen XF 2 bis XF 4 der DIN EN 206-1 Beton; Festlegung, Eigenschaften, Herstellung, Konformität (Ausgabe 2001-07), werden Betonklassen zum Teil mit dem Zusatz "(LP)" angegeben. Diese Luftporenbildner entfallen bei Bettungsmörtel. Bei diesem darf aber ein Wasser-Zement-Wert von 0,4 nicht überschritten werden.

Basisschicht
Die Basisschicht ist zu verdichten und anschließend zwecks optimaler Haftung der nachfolgenden Schicht (Setzschicht oder Ausgleichsschicht) mittels Stahlbesenstrich aufzurauhen.
Der u. a. auch von den Umgebungstemperaturen beeinflusste Erstarrungsbeginn für den Bettungsmörtel der Basisschicht darf erst nach der Beendigung des Verdichtens und Aufrauhens mit Stahlbesenstrich eintreten. Die Herstellungschargen des Bettungsmörtels sind dem Arbeitsaufwand entsprechend klein zu halten.
Der Einbau von Bettungsmörtel bei Frost und/oder (noch) gefrorenem Boden ist unzulässig. Ebenso darf frischer Beton oder Mörtel nicht Nachtfrost ausgesetzt werden.

Setzschicht, Ausgleichschicht
Setzschichten oder Ausgleichschichten sollen möglichst sofort nach dem Verdichten und Aufrauhen der Basisschicht aufgebracht werden.
Ist dieses den Umständen nach nicht möglich, muss die aufgerauhte Basisschicht in der Zwischenzeit zuverlässig gegen ein zu schnelles Verdunsten von Wasser geschützt, also nachbehandelt werden, um die Bildung einer sogenannten "Mehlschicht" zu unterbinden, welche die Haftung des später aufzubringenden frischen Bettungsmörtels als Ausgleich- oder Setzschicht deutlich verringern oder gar verhindern kann.
Der Erstarrungsbeginn für den unverdichteten Bettungsmörtel der Setzschicht oder Ausgleichschicht darf erst nach Beendigung der Pflasterarbeiten eintreten, ansonsten ist er sofort zu entsorgen.
Die Setzschicht dient bei zu setzendem Pflaster dazu, zulässige Unterschiede in der Steindicke auszugleichen und die gesetzen Steine auch während der späteren Verfugung unverrückbar am gesetzten Platz zu halten. Die Setzschicht ist möglichst dünn aufzutragen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Anteil Bettungsmörtel auch in den Steinfugen im Gegensatz zur ungebundenen Bauweise möglichst gering zu halten ist (s. u., Kapitel Setzen).
Ein nachträgliches Einschlämmen des Bettungsmörtels mit Wasser zu seiner Verdichtung und Egalisierung in den Fugen ist nicht zugelassen.
Die Ausgleichschicht dient bei zu verlegendem Pflaster dazu, Unebenheiten in der Basisschicht nach dem Rütteln auszugleichen. Die Ausgleichschicht ist möglichst dünn aufzutragen und eben abzuziehen.

Nachbehandlung BM

Frischer Bettungsmörtel ist kontinuierlich vor zu schneller Verdunstung von Zugabewasser, Regen und Überhitzung auf über 30° C sowie vor Frost zu schützen.

Haftschlämme
Vor dem Verlegen von Belagmaterial ist eine dünnflüssig angemischte Haftschlämme entsprechend dem Verlegefortschritt kleinflächig zur Verbesserung des Haftverbundes zwischen Bettung und Pflasterbelag auf die Ausgleichsschicht zu gießen. Die Haftschlämme hat eine den Fugenmörtel nicht unterschreitende Druckfestigkeit aufzuweisen.


5. Pflastergestaltung


Steinformate
Die Mindestschichtdicken von Betondecken sind lt. Tafel 2 der RStO 01 Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, von der aus Bettungmörtel, Pflasterstein und Fugenmörtel bestehenden Belagplatte einzuhalten. Dabei ist die Schichtdicke des Bettungsmörtels über die Auswahl des Steinformats möglichst gering zu halten.
Für von Schwerverkehr (ab 3,5 to) befahrenen Verkehrsflächen ist wie beschrieben die Bauklasse III vorzusehen. Dafür sind vorrangig Pflastersteine der Nenndicke 16 cm zu verwenden, um der Mindestschichtdicke der Belagplatte analog zur Betondecke von 22 cm in Tafel 2 der RStO 01 zu genügen.
Nur selten befahrene Flächen, die der Bauklasse VI oder höchstens V zugeordnet werden, wie beispielsweise normal nicht befahrene schmale Rinnen - ausgenommen sind stark befahrene Grundstückseinfahrten zu Gewerbegrundstücken oder sonstige Querungen üblichen Fahrverkehrs wie auch als Ausweichflächen vorgesehene Rinnen - können deren Mindestschichtdicke von 16 cm lt. Zeile 2 der Tafel 2 der RStO 01 aufweisen.
Dieses gilt sinngemäß auch für ausschließlich von Pkws selten befahrene private Hofflächen. Das Nennformat der Pflastersteine ist dafür nicht unter 10 cm, besser ab 12 cm, auszuwählen. Es ist in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Befahrung durch Schwerverkehr auszuschließen, wie z. B. durch Entsorgungs- und Versorgungsfahrzeuge (z. B. Heizöl).
Kleinformatiges Pflaster der Nenngröße 8 cm und kleiner ist nur für rein fußläufige Bereiche geeignet.

Steinformen
Verbundsteine sollen für eine gebundene Bauweise nicht vorgesehen werden.

Platten
Platten sind für befahrbarene Flächen ungeeignet. Dieses gilt auch für nur gelegentliche Befahrung und für Überfahrten von Geh- und Radwegen.

Gesägtes Belagmaterial

Gesägtes Belagmaterial sollte an allen mit Mörtel in Kontakt kommenden Flächen z. B. durch stocken oder strahlen nachbehandelt werden, weil ansonsten die Haftung des Mörtels am Stein gestört sein kann.
Ersatzweise können solche Flächen auch mit Haftschlämme behandelt werden. Diese Lösung ist gegenüber der vorgenannten aber technisch unterlegen.

Setzen
Es sind ausschließlich angefeuchtete Steine zu setzen. Der Anteil Bettungsmörtel in den Fugen ist dabei so gering wie technisch unbedingt erforderlich zu halten. Sein Anfüttern ist demnach im Gegensatz zur ungebundenen Bauweise unbedingt zu unterlassen!
Bezogen auf die Nenndicke allseits unbearbeiteter Natursteine lautet die in Leistungsverzeichnissen als mindestens erforderlich vorzugebende Fugenfülltiefe maximal 3 cm weniger als die jeweilige nominale Steindicke. Bei bearbeiteten Natursteinen und bei Kunststeinen soll deren Einbindung in den Bettungsmörtel nicht mehr als 2 cm betragen.


Verlegen
Das Verlegen von maßhaltigen Steinen oder Platten soll stets unter Verwendung von Haftschlämme wie beschrieben erfolgen. Das Belagmaterial ist zuvor anzufeuchten.

Fugenfarbe
Planer sollten berücksichtigen: In einer gegebenen Pflasterfläche wird die Farbe einer Fugenfüllung unter normal üblicher Schrägsicht von den Betrachtern kaum wahrgenommen, wohl aber der Kontrast von hell und dunkel.

Fugenbreite
Aufgrund widersprechender Angaben für zulässige Fugenbreiten in verschiedenen Regelwerksteilen sind sie in Leistungsverzeichnissen vom Planer festzulegen.
Die Mindestbreite des Fugenspaltes muss gerell eine homogene Verfüllung der Fugen über die gesamte Steinhöhe zulassen, in der gebundenen Bauweise ohne Lufteinschlüsse. Somit ergibt sich die zu berechnende Mindestbreite aus dem Größtkorn der im Mörtel enthaltenen Gesteinskörnung. Sie kann bei Verwendung eines gut fließfähigen zementgebundenen Fugenmörtels der Standard-Sieblinie 0/2 mit 5 mm Mindestbreite beziffert werden, bei einer Sonder-Sieblinie 0/1 mit mindestens 3 mm. Diese Angaben gelten im sichtbaren Kopfbereich und ebenfalls innerhalb des nicht sichtbaren Fugenspaltes mit seinen für Natursteine auch dort zulässigen Abmaßtoleranzen, aber auch zwischen evtl. vorhandenen Abstandhaltern an Betonsteinen.
Eine vom Planer im Leistungsverzeichnis festzugelegende Mindestfugenbreite muss wenigstens aus der Hälfte (je Seitenfläche aufgrund vorsortierter Steine) der maximal zulässigen Abmaßtoleranz des Natursteinbelages, bei Betonsteinen aus der Breite eventuell vorhandener Abstandhalter, plus jeweils der oben genannten Mindestbreite des Fugenspaltes für den Fugenmörtel bestehen, um eine in voller Tiefe kraftschlüssige Verbindung der Steine mit dem Fugenmörtel gewährleisten zu können.
Eine Festlegung der zulässigen maximalen Fugenbreite muss zumindest auch die zulässigen negativen Abmaßtoleranzen der Steine sinngemäß einbeziehen.
Unter den vorstehenden Bedingungen ( s. a. Kapitel Pflaster > Steinformen) wird empfohlen, dass Klinker und Betonsteine sowie maßhaltige Natursteine im eingebauten Zustand eine Fugenbreite zwischen 6 mm bis 10 mm aufweisen sollten, ebenfalls besonders gut zu sortierende Steine des Nennmaßes 6 cm und kleiner, und dass Natursteine mit 15 mm Abmaßtoleranz zwischen 12 mm bis 20 mm und mit 10 mm Abmaßtoleranz zwischen 10 mm bis 15 mm Fugenbreite gesetzt werden sollten.

Fugentiefe
Bezogen auf die Nenndicke von allseits unbearbeiteten Natursteinen lautet die Fugenfülltiefe maximal 3 cm niedriger als die nominale Steindicke, bei maßhaltigen Natursteinen und Kunststeinen nicht mehr als 2 cm.

Fugenleerraum
Fugen sollen nicht bündig, sondern ideal um 2 bis 3 mm, aber nicht mehr als 5 mm tief unter dem jeweils tiefsten Punkt angrenzender Steinoberflächen abschließen. Durch die zulässige Abmaßtoleranz der Steine können sich an deren Oberfläche maximal entsprechend tiefe Fugen ergeben.

Rütteln?
Das Rütteln eines Belages nach Erstarrungsbeginn des Bettungsmörtels ist ein Baufehler.


6. Dehnungsfugen



Wichtiger Hinweis

Zur Anordnung von Dehnungsfugen (Bewegungsfugen) innerhalb von befahrenen Pflasterflächen gibt es keine wissenschaftlich exakten Forschungen und deshalb unterschiedliche Auffassungen.

Dehnungsfugen laut Regelwerk
Es ist Aufgabe des Planungsingenieurs, eindeutige Vorgaben für die Lage, Anordnung und Ausführung von Dehnungsfugen (Bewegungsfugen) in einem Leistungsverzeichnis zu treffen, sowohl für die Hauptflächen an Pflaster in gebundener Bauweise, für die es derzeit kein gültiges Regelwerk gibt, als auch für Rinnen auf Unterbeton, weil sich die verschiedenen Vorgaben dazu einander widersprechen.

Pro und contra Dehnungsfugen
Sofern Dehnungsfugen nicht durch ein gültiges Regelwerk vorgegeben sind, wie für Rinnen auf Unterbeton, ist für Natursteinflächen zwischen Planungsingenieuren, Bauherren und der ausführenden Firma eine Entscheidung zum Einbau oder gegebenenfalls Verzicht auf Dehnungsfugen zu treffen und letztgenannter zu protokollieren.
Betonsteinflächen sollten nach den bisherigen Erfahrungen stets mit Bewegungsfugen gegen Aufwölbungen und sonstige Pflasterschäden geschützt werden.

Dehnungsfugen in Flächen
Dehnungsfugen (Bewegungsfugen) sind ohne Ausnahme kongruent über Kerb- und Dehnungsfugen in Tragschichten oder Tiefbauten sowie auch im Anschluss an vorhandene Bauwerke und Einbauten erforderlich.
Sofern eine generelle Entscheidung zugunsten von Dehnungsfugen auch innerhalb der Hauptflächen gefällt wurde, sind sie in einem Abstand - längs und quer - von nicht mehr als 8 m in Pflasterflächen gebundener Bauweise zu planen und einzubauen. Daneben sollten sie längs und quer zu Straßenverengungen und in Hoch- und Tiefpunkt-Linien von Dachprofilen angeordnet werden. Auch sind sie am Übergang verschiedenartiger Unterlagen angebracht, wie z. B. zwischen Rinne auf Betonsockel und Pflasterfläche auf Asphalttragschicht.

Dehnungsfugen in Unterbeton
Dehnungsfugen in Pflaster auf Unterbeton mit angrenzendem Bord müssen längstens alle 8 m an Stoßfugen zwischen den Bordsteinen angeordnet werden. Daneben sind sie am Beginn und Ende eines Bogens, sowie bei jedem Richtungswechsel erforderlich.
Ab einer 3zeiligen Rinne und breiter sind Dehnungsfugen ratsam, die, beginnend an der Dehnungsfuge des Richtungswechsels, von der Innenseite des Bogens in einer gedachten gerade Linie bis zu ihrem Schnittpunkt mit der Außenseite eingefügt werden und so fort. Innerhalb von Bögen ist ein Abstand von 8 m zwischen den Dehnungsfugen, gemessen am Außenradius, nicht zu überschreiten.

Dehnungsfugen im Kreisverkehr
Es sollten mindestens 3 Dehnungsfugen in Kreisverkehrplätzen bzw. Kreisverkehr-Innenringen geplant werden, die aber am Außenradius keinen größeren Abstand als 8 m aufweisen. Sie sollten möglichst so angeordnet werden, dass sie außerhalb der zukünftig zu erwartenden Hauptfahrspuren positioniert sind.

Materialauswahl

Dehnungsfugen sind aus elastischem Material mit hoher Rückstellfähigkeit herzustellen. Hartschaumplatten sind ungeeignet.


7. Verfugung


Anforderungen an Fugenmörtel
Pflasterfugenmörtel muss entsprechend den Anforderungen der RStO 01, Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, FGSV, Köln, Ausgabe 2001, über den gesamten Nutzungszeitraum hinweg zu einer ausreichend standfesten, tragfähigen und frostsicheren Belagplatte beitragen.
Die Druckfestigkeit des Fugenmörtels sollte die von Betonsteinen nicht übersteigen, aber dessen minimal zulässige auch nicht um mehr als 5 N/qmm unterschreiten. Er muss ausreichend fließfähig sein, um die Fugen mit kaum nennenswerten Lufteinschlüssen füllen zu können. Seine Sieblinie darf für eine enge Verfugung trotz Abmaßtoleranzen des Belages oder Abstandhalter nicht größer sein als der 2,5fache Teil des innerhalb jeder Fuge minimal einzuhaltenden Fugenspaltes. Eine Sieblinie unter 0/1 sollte als Zuschlag in Fugenmörtel nicht verwendet werden.

Einsatz von Kunstharzmörtel?
Jahrzehntelange Erfahrungen in der Verwendung von hochwertigen Kunstharzen auch im Hochbau und mit zementgebundenem Plfasterfugenmörtel brachte für befahrene Pflasterflächen die Einsicht:
Kunstharz-Fugenmörtel ist für zu befahrene Pflasterflächen weder technisch noch wirtschaftlich zu vertreten.

Mehrschichtiger Fugenaufbau?
Mehrschichtige Fugenfüllungen mit Kunstharz-Fugenmörtel sind zu vermeiden.

Ausblühungen?
Trasszusätze im Fugenmörtel sind für den Pflasterbau nicht erforderlich.

Verbrauchsmengen
Die Berechnung von Verbrauchsmengen für zementgebundenen Pflasterfugenmörtel ist mit einem Spezifischen Gewicht (Raumgewicht) von nicht geringer als 2 kg/ltr vorzunehmen, ansonsten würde er unter die Spezifikation von Leichtbeton fallen.

Einbau
Vor dem Verfugen mit zementgebundenem Fugenmörtel ist die Pflasterfläche gründlich zu wässern, bis sich die Poren des Belags mit Wasser gesättigt haben.
Danach ist nach den Herstellervorgaben fließfähiger zementgebundener Fugenmörtel klumpen- und hohlraumfrei dem gegebenen Gefälle abwärts folgend in die Fugen zu verteilen.
Der Einbau von Fugenmörtel bei Frost und/oder (noch) gefrorenem Boden ist unzulässig. Ebenso darf frischer Beton oder Mörtel nicht Nachtfrost ausgesetzt werden.
Einer Erwärmung des Mörtels auf über 30° C (Herstellerangabe hat Vorrang) ist durch geeignete Maßnahmen zu begegnen.
Das Einkehren von trockenem Fugenmörtel, der anschließend mit Wasser eingeschlämmt wird, ist ein schwerer Baufehler.
Der Einbau von Fugenmörtel bei Regen, der stehendes Wasser in den leeren Fugen verursacht, ist zu vermeiden.
Frisch verfugte Flächen sind vor Regen zu schützen.

Reinigung
Die Reinigung der frisch verfugten Pflasterfläche allein mit Wasser ist - z. B. nach einer kleinflächigen Reparatur - möglich, aber unzulässig, wenn dadurch Mörtelreste mit dem Spülwasser in die Fugen angrenzender noch zu verfugender Pflasterflächen fließen.
Stattdessen können die Pflaster-Teilflächen entweder mit einem Schwammbrett oder einer Schwammputzmaschine gereinigt werden oder der Belag wird mit einem Nachbehandlungsmittel behandelt, das eine Reinigung der Steinoberfläche nach ausreichendem Erhärten der Fugen ermöglicht. Pflasterflächen, die aufgrund ihrer Größe nicht innerhalb eines Tages komplett verfugt werden können, sind unter Beachtung der Gefällesituation so zu verfugen, dass verunreinigtes Spülwasser bei der folgenden Reinigung nicht in angrenzende noch zu verfugende Flächen laufen kann.

Nachbehandlung PFM
Mit zementgebundenem Pflasterfugenmörtel verfugte Flächen sind wie Beton mindestens 1 Tag lang, oder nach Herstellervorgaben auch länger, z. B. durch das Abdecken mit Folien, nachzubehandeln. Der Einsatz eines Nachbehandlungsmittels ist empfehlenswert. Bei entsprechenden Witterungsbedingen ist zur Vermeidung des Glasdach-Effektes der Mörtel durch Beschattung vor Überhitzung zu schützen, z. B. durch die zusätzliche Auflage eines Vlieses. Eine kontinuierliche Befeuchtung des Vlieses kann bei hochsommerlichen Temperaturen aufgrund der Erzeugung von Verdunstungskälte zusätzlich kühlen.
Es wird empfohlen, die Abdeckungen bis zur Verkehrsfreigabe auf der Fläche zu belassen, um eine vorzeitige Befahrung der noch unzureichend durchgehärteten Belagplatte durch Fremdfahrzeuge zusätzlich zu Absperrungen zu behindern.

Unnötige Angaben, Gefahren

Unnötige oder gar verwirrende Begriffe, aber auch die Dauerhaftigkeit gefährdende Materialien sollten in Leistungsverzeichnissen vermieden werden. Einige Beispiele finden Sie in diesem Kapitel.


8. Verkehrsfreigabe


Zeitpunkt der Freigabe

Zum Zeitpunkt einer unbeschränkten Verkehrsfreigabe muss für die beteiligten Bettungs- und Fugenmörtel eine Druckfestigkeit von real mindestens 37 N/qmm wie für eine Betondecke erreicht sein, um den Mindestansprüchen der RStO 01 in Verbindung mit DIN EN 206 für befahrene Verkehrsflächen zu genügen. Ein höherer Mindestwert kann zum Beispiel für besonders stark belastete Flächen aus Gründen der Sicherheit ratsam sein und deshalb im Leistungsverzeichnis vorgegeben werden.
Rein fußläufige Bereiche können laut Herstellerangaben, normalerweise nach dem Tag der Verfugung, für die Begehung durch Fußgänger freigegeben werden.

Prüfungen zur Freigabe
Es wird vorgeschlagen, Prüfungen der zum Zeitpunktpunkt der Verkehrsfreigabe real erreichten Druckfestigkeiten von Bettung und Fuge vorzunehmen. Dazu sind am jeweils letzten Tag der Verwendung der Bettungs- und Fugenmörtel eine ausreichende Anzahl Prüfmuster für mindestens 2 Prüfserien (bei nicht auszuschließendem Frost für mindestens 3 Prüfserien) zur Ermittlung der real erreichten Druckfestigkeiten herzustellen und auf der Baustelle, oder zumindest ortsnah unter den Klimabedingungen der Baustelle, also ausdrücklich nicht im Laborklima, zu lagern.
Es sollte jeweils mindestens eine Musterserie Prüfmuster mehr als normal erforderlich hergestellt werden, um nach unvollständig erreichten Mindestwerten wenigstens eine zusätzliche Kontrollprüfung nach dem Ablauf der dadurch erforderlichen Verlängerung der Ruhezeit vornehmen zu können.
Während der Härtung der Mörtel bei naturgegebenen Temperaturen sind die Muster des Bettungsmörtels direkt unter mit Sand verfugten Steinen aus dem Belag zu lagern. Die Musterwürfel aus Fugenmörtel sind daneben wie Pflastersteine zu setzen und mit Sand einzufugen, um den realen Temperaturbedingungen in der Belagplatte während der Härtezeit möglichst nahe zu kommen. Diese Prüfmusterfläche ist wie die Belagfläche mit Folie zu schützen. So entwickeln sich die Festigkeiten der beteiligten Mörtel gleich denen in der Belagplatte und können deshalb zur Bestimmung der real erreichten durchschnittlichen Festigkeit benutzt werden. Die Prüfung der Muster ist unverzüglich nach ihrer Entnahme aus der Prüfmusterfläche in einem neutralen Prüflabor vorzunehmen.
Mit der vorgeschlagenen Prüfung nach Lagerung unter den realen Klimaeinwirkungen auf der Baustelle kann fundiert nachgewiesen werden, dass die Verkehrsfreigabe der Belagplatte regelwerksgerecht nach dem Erreichen von mindestens 37 N/qmm Druckfestigkeit beider Mörtelsorten erfolgte. Andernfalls ist eine Verkehrsfreigabe bis zum Erreichen der Mindestwerte zu verschieben.


9. Instandhaltung


Grundlagen

Pflasterflächen, die in gebundener Bauweise erstellt wurden, sind wie andere Straßen auch regelmäßig auf inzwischen eventuell eingetretene Schäden zu kontrollieren und instand zu halten. Bei Kontrollgängen gilt die besondere Aufmerksamkeit undichten Dehnungsfugen und Rissen in der Belagplatte und Rinnen.

Reparatur Pflasterfugen
Im Laufe der Jahre schadhaft gewordene Fugen werden gründlich von allen Verschmutzungen und losen Bestandteilen befreit und danach neu verfugt.
Die Erfahrung zeigt, dass die losen Fugenanteile innerhalb einer Gesamtfläche vorrangig im Bereich von im Mittel um 3 cm Tiefe angetroffen werden. Sie können, trotz offiziell anders lautender Mindestvorgaben, welche ein Vielfaches der Fugenbreite betragen, mit qualitativ hochwertigem zementgebundenen Fugenmörtel erfahrungsgemäß dennoch problemlos nachverfugt werden.


10. Sonstiges


Ausgewählte Regelwerke

Kontakt, Haftung

Muster-LV


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